Kein Schritt zurück – nach vorne geht es nur gemeinsam!

Worum es am 8. März 2026 geht.

Am internationalen Frauenkampftag 2026 stehen wir an einem Scheideweg: Die Rechte von Frauen sind unter Beschuss. Zahlreiche Errungenschaften, die wir über Jahrzehnte erkämpft haben, werden ganz offen oder auch durch die Hintertür angegriffen.

„Lifestyle“-Teilzeit? Wohl eher 24/7 Arbeit!

Der Vorstoß der Wirtschaftsunion, das Recht auf Teilzeit abzuschaffen, hat zu Recht viel Empörung ausgelöst – gerade unter Frauen. Denn fast jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit. Das ist jedoch keine „Lifestyle-Entscheidung“, wie es in der Debatte dargestellt wird, sondern für viele Frauen die einzige Möglichkeit, um Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen (4,89 Millionen Menschen werden zu Hause fast ausschließlich von Frauen gepflegt), Hausarbeit und Beruf zu vereinbaren. Auch zahlreiche weitere soziale Angriffe treffen die Frau besonders, darunter die diskutierte Abschaffung des Pflegegrad 1, durch die die Unterstützungsleistungen für 860.000 Personen wegfallen würden, die Bedürftige privat pflegen. Es sind größtenteils Frauen, die auf Einkommen verzichten und später mit geringeren Renten und höherer Altersarmut den Preis dafür zahlen.

In einer Gesellschaft, in der wichtige gesellschaftliche Aufgaben wie Pflege, Gesundheit, Kindererziehung und Hausarbeit nach wie vor entweder öffentlich oder privat unter prekären Bedingungen bewältigt werden. Doch durch die Sparpolitik der Regierung soll selbst dieses ungenügende Mindestmaß an Pflege wegfallen.

Zurück oder nach vorne?

Kein Wunder, dass immer mehr Frauen sich nach anderen Modellen sehnen. Es ist die enorme Belastung durch Lohnarbeit und private Sorgearbeit, auf der auch konservative Rollenbilder erstarken: Klassische Ehen, in denen Frauen die Hausarbeit und Männer die Lohnarbeit erledigen, werden von rechten Kräften propagiert und finden aufgrund der Belastung zum Teil auch Anklang.

Doch wir wissen, dass die Vorschläge der rechten Kräfte für uns Frauen zahlreiche Gefahren mit sich bringen: Die Einschränkung der körperlichen Selbstbestimmung, die für Frauen die Mutterrolle als einzige Option darstellt. Und die Einschränkung unserer gesellschaftlichen Mitbestimmung, indem wir zurück in den privaten Raum gedrängt werden. Und die ökonomische Abhängigkeit, die Frauen auch an gewalttätige Beziehungen bindet. Die neue Dunkelfeldstudie LeSuBiA zu Gewaltbetroffenheit zeigt deutlich: Fast jede fünfte Frau hat in ihrem Leben Gewalt durch Partner oder Ex-Partner erfahren und nach wie vor werden unter 5 % der Fälle angezeigt. Diese Probleme werden nur verschärft, indem traditionelle Rollenbilder und die Abhängigkeit von der Familie gestärkt werden. Diese Lösungen bieten keine Perspektive für uns!

JIN, JIYAN, AZADÎ! – FRAU, LEBEN, FREIHEIT!
Internationale Solidarität mit Frauen auf der ganzen Welt!
 
In zahlreichen Ländern auf der Welt werden Frauen offen entrechtet, müssen fliehen und werden Opfer von Krieg und Zerstörung. Als Frauen in Deutschland wissen wir, dass die Bundesregierung für zahlreiche dieser Konflikte mitverantwortlich ist. hier werden die Rechte der Frau und die Demokratie in Sonntagsreden verteidigt. Gleichzeitig werden Frauen in Rojava entrechtet, während Deutschland mit der al-Schaara-Regierung kooperiert. Gleichzeitig sind die Frauen in Palästina nach wie vor israelischen Angriffen mit deutschen Waffen ausgesetzt. Gleichzeitig werden Frauen in Afghanistan von den Taliban entrechtet, mit denen Deutschland für mehr Abschiebungen zusammenarbeitet. Gleichzeitig müssen Frauen im Iran im Kampf gegen die Mullahs um ihr Leben fürchten, während Deutschland gegenüber diesen Protesten nur die Solidarität in Form von Sanktionen kennt, die genau diese Frauen treffen werden.
Internationale Solidarität bedeutet für uns also, dass Frauen überall auf der Welt ohne Unterdrückung, ohne Krieg und ohne imperiale Einmischung leben können – wir stellen uns gegen die Zusammenarbeit mit frauenfeindlichen Regimes sowie gegen Waffenlieferungen, egal wohin.

Die Lösung kann nur nach vorne gehen

Die aktuellen Angriffe auf uns Frauen und unsere Rechte können wir nur bekämpfen, indem wir erkämpfte Errungenschaften verteidigen und den Weg zur Gleichberechtigung weitergehen! Wir Frauen halten die Gesellschaft mit am Laufen – ob aus der Fabrik, aus dem Krankenhaus oder auch durch die unbezahlte Arbeit im Haushalt. Die aktuellen Angriffe zeigen, dass Gleichberechtigung eine Frage der gesamten Gesellschaft ist, dass die Angriffe auf uns Frauen Angriffe auf die Arbeits- und Lebensbedingungen von uns allen sind und auch nur gemeinsam bekämpft werden können – indem wir gemeinsam auf die Straße gehen, egal welches Geschlecht!

Nur das Kapital hat ein Interesse an den vielfältigen Spaltungen und dem Ausbau der Unterdrückungsmechanismen. So kann es die Menschen gegeneinanderhetzen, besser ausbeuten und seine Herrschaft absichern. Klassengesellschaften sind der Ursprung dieser Spaltungen – auch der Kapitalismus. Deshalb muss er beseitigt werden, wenn es dauerhaft und grundlegend zur Aufhebung der Unterdrückung der Frau kommen soll.

Lasst uns an diesem 8. März für Gleichberechtigung einstehen:

Das bedeutet mehr Geld in Bildung, Soziales, Gesundheit und Pflege! Diese Aufgaben müssen endlich zu Aufgaben der gesamten Gesellschaft werden und nicht mehr auf dem Rücken der Frau ausgetragen werden!

Das bedeutet gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Noch immer verdienen wir im Schnitt 16 % weniger und erhalten entsprechend auch geringere Rente, leiden mehr unter Altersarmut und befinden und in ökonomischer Abhängigkeit.

Das bedeutet echter Schutz vor Gewalt! Wir brauchen ökonomische Unabhängigkeit und die Umsetzung der Istanbul-Konvention, die endlich genug Frauenhausplätze schafft!

Das bedeutet körperliche Selbstbestimmung! Schwangerschaftsabbrüche müssen entkriminalisiert und als Teil der Gesundheitsversorgung anerkannt werden!

Auf die Straße – auch am 9. März?
 
In diesem Jahr rufen zahlreiche Frauenorganisationen weltweit zum Frauenstreik am 9. März, einen Tag nach dem Frauenkampftag am 8. März, auf. Auch in Deutschland unterstützt die Gewerkschaft ver.di die Bewegung und es haben sich zahlreiche Ortsgruppen für den Streik gebildet. Zwar darf in Deutschland von den Gewerkschaften politisch nicht gestreikt werden – dies kann harte Konsequenzen für die Streikenden mit sich bringen. Doch der Streik ist ein mächtiges Mittel, um unsere Interessen durchzusetzen. So sehen wir in der aktuell laufenden Tarifrunde der Länder, wie tausende Frauen im öffentlichen Dienst für höhere Löhne kämpfen. Das kann auch für einen Streik am 9. März genutzt werden. So oder so – bringen wir unsere Solidarität mit Arbeitskämpfen an diesem 8. und 9. März zum Ausdruck! 

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