IG Metall-Führung Hand in Hand mit deutschen Rüstungskonzernen

Am Donnerstag, den 5.3., genau an dem Tag, als in über 130 Städten 50.000 Schüler gegen die drohende allgemeine Wehrpflicht auf die Straße gingen, organisierte die Führung der IG Metall gemeinsam mit dem BDLI (Bundesverband der Luft- und Raumfahrtindustrie) Demonstrationen der Beschäftigten in der militärischen Luftfahrtindustrie.

Wozu? Um das Projekt des „Future Combat Air System“ (FCAS), eines ehrgeizigen Programms der EU für ein zukünftiges Luftkampfsystem, das bereits in der Projektphase hunderte Millionen Euro an Steuergeldern verschlungen hat (wir berichteten darüber in AZ), für die deutschen Konzerne zu retten. Allein die Entwicklungskosten bis zur ursprünglich geplanten Auslieferung ab 2040 wurden auf rund 100 Mrd. € geschätzt.

Das Gerangel darum, wer den Löwenanteil bei der Entwicklung und Fertigung dieser Kampfmaschine für sich beanspruchen kann – und damit natürlich auch die höchsten Profite einstecken -, der deutsche Luft- und Raumfahrt-Konzern AIRBUS oder der französische Konzern Dassault, geht schon seit Jahren. Zuletzt gab es im Sommer 2025 Meldungen, dass Dassault 80 Prozent der Kontrolle am Bau des Kampfflugzeugs beanspruchen würde.

Jetzt hat Frankreich angekündigt, das Kampfflugzeug evtl. in Eigenregie entwickeln zu wollen. Dem deutschen Konzern AIRBUS und auch den Zulieferern (u.a. DIEHL Aviation, DIEHL Defence, Hensoldt…) droht ein hübscher Brocken an Staatsaufträgen verloren zu gehen, wenn nicht ein eigenes deutsches FCAS gebaut wird! Daher fordert die Hauptgeschäftsführerin des BDLI: „Die Lösung, damit FCAS erfolgreich abhebt, sind zwei Kampfflugzeuge. Eines, das den strategischen Interessen Deutschlands dient und eines, das sich an den Anforderungen Frankreichs orientiert.“ (gemeinsame Erklärung von BDLI und IGM) – „whatever it takes“ könnte man hinzufügen. Denn dass das „Projekt“ für den Steuerzahler stinketeuer wird, ist ja wohl abzusehen.

Nichts ist für das Kapital schlimmer als das Ausbleiben von Profit!

Um dem Kapital zu Hilfe zu eilen, rief die IG Metall-Führung am 05. März zu einem bundesweiten Aktionstag mit „öffentlichen Kundgebungen“ und „betrieblichen Aktionen“ auf. Laut Pressemitteilung sollten sich 15 Standorte in sechs Bundesländern beteiligen, darunter Triebwerkhersteller, Ausrüster und weitere Zulieferer. 

Auf der Homepage „igmetall-airbus.de“ wird kurz und knapp berichtet: „FCAS – ABER BESSER
Auf dem gemeinsamen Aktionstag der IG Metall und des BDLI haben 4000 Beschäftigte des Standortes Manching sich für das FCAS Programm mit einer starken Rolle von Airbus eingesetzt.
Gemeinsam mit zahlreichen anderen Standorten der militärischen Luftfahrtindustrie setzen wir ein klares Signal an die Politik.“

In seiner Presseerklärung vor den Aktionen schreibt der IG Metall-Vorstand: „Heute haben die Gewerkschaft IG Metall und der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) gemeinsam eine strategische Erneuerung des Luftkampfsystems FCAS gefordert. Bundesweit traten Beschäftigte bei öffentlichen Kundgebungen und betrieblichen Aktionen für die Zukunftsfähigkeit der militärischen Luftfahrtindustrie in Deutschland ein.“

Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall: „Wenn die Bundesregierung Milliarden Steuergelder in die Hand nimmt, muss auch die heimische Industrie zu einem fairen Anteil davon profitieren und es müssen Arbeitsplätze hier bei uns entstehen….

Marie-Christine von Hahn, Hauptgeschäftsführerin des BDLI, betont: „Wenn die Bundesregierung jetzt ein klares Startsignal setzt, können wir – gemeinsam mit europäischen Partnern – einen echten Schritt nach vorne machen. Unsere Botschaft heute ist ganz eindeutig: Wir können, wir wollen und wir werden ein Kampfflugzeug der nächsten Generation bauen…“

[Zitate aus: https://www.igmetall.de/presse/pressemitteilungen/ig-metall-und-bdli-fordern-strategische-erneuerung-beim-“]

Ganz deutlich wird die gemeinsame Position des IGM-Vorständlers Kerner und der BDLI-Lobbyisten in der Unternehmerzeitung Handelsblatt: „In der Kombination mit dem robust ausgestatteten Bundeshaushalt sind wir in der Lage, selbstbewusst zu investieren und industriepolitisch mutige Wege zu beschreiten… Verantwortung für die Sicherheit Europas zu übernehmen, heißt auch, aus eigener Position industrieller Stärke heraus zu führen.“ (Marie-Christine von Hahn / Jürgen Kerner, Handelsblatt, 9.2.2026)

„Mutige Wege zu beschreiten“, das heißt vor allem auch, die Staatskasse, die mit unseren Steuergeldern gefüllt ist, auszunehmen.

Ganz klar: anstatt gegen den Rüstungswahn und den Kriegskurs der Bundesregierung und vor allem der Rüstungsindustrie anzukämpfen und den Schulterschluss mit der Antikriegs- und Friedensbewegung zu suchen, stellt sich die IG Metall-Führung – „zur Rettung der Arbeitsplätze (!)“ – auf die Seite des Rüstungskapitals. Das ist der berühmte Schulterschluss mit dem Kapital. Sie setzt sich so mit voller Kraft – und zusammen mit der Regierung – für die guten Geschäfte = Profite der Rüstungsindustrie ein. Damit hat sie sich eindeutig positioniert. Deshalb wird es für die Kolleginnen und Kollegen in der IG Metall nicht leicht sein, gegen den Kriegskurs von Regierung und Kapital anzukämpfen!

Aber es muss sein!!

Lasst nicht zu, dass die Gewerkschaften „kriegstüchtig“ werden!

Foto: By JohnNewton8 – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=79790780

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