Ohne in diesem kurzen Artikel erschöpfend darlegen zu können, was die Pariser Kommune (vom 18. März bis zum 28. Mai 1871) war, möchten wir einige Aspekte hervorheben, die im aktuellen Kontext der tiefen Krise des kapitalistisch-imperialistischen Systems besonders bedeutsam sind. Sie werfen noch immer ein Licht auf unsere heutigen Kämpfe, auch wenn sich die Welt in 150 Jahren stark verändert hat.
Ein Wendepunkt im Kampf der Arbeiterklasse
Während seit der Revolution von 1789 die Kämpfe und Opfer der Arbeiterklasse immer von der Bourgeoisie vereinnahmt worden waren, nahmen die Arbeiterinnen und Arbeiter mit der Kommune zum ersten Mal ihr Schicksal selbst in die Hand. Sie taten dies im Kontext ihrer Zeit, begingen Fehler, die sie teuer zu stehen kamen, aber indem sie „den Himmel stürmten”, wie Marx es so schön ausdrückte, säten sie den Keim der sozialistischen Revolution und veränderten die Geschichte der Arbeiterbewegung.
Der proletarische Internationalismus
Diese Revolution, die in einem Land ausbrach, das sich im Krieg befand (dem Krieg zwischen den Truppen Napoleons III. und der preußischen Armee Bismarcks, der in den folgenden Jahrzehnten eine intensive nationalistische Revanchepropaganda gegen die „Boches“ [abfällige Bezeichnung für die Deutschen] nährte), verwirklichte die großartige Parole, mit der das Manifest von 1848 endet: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!”
Während für die „Versailler” Reaktion und die Henker der Kommunarden das Ausland als Feind stigmatisiert wurde, der die Quelle aller Übel des Landes war, hatte die Kommune zahlreiche Wanderarbeiter und Revolutionäre aus allen Ländern in ihren Reihen. Zu nennen ist insbesondere der Ungar Leo Frankel: Als Mitglied des Rates der Kommune und der Arbeitskommission war er der Initiator der ersten sozialen Maßnahmen der Kommune, wie beispielsweise das Verbot der Nachtarbeit für Bäcker. Oder Jarosław Dabrowski: Der polnische Revolutionär an der Spitze der Nationalgarde war einer der ersten militärischen Verantwortlichen der belagerten Kommune…
Die Rolle der Frauen in der Kommune
Während das napoleonische Zivilgesetzbuch von 1804 das bürgerliche Eigentum als heilig erklärte und die Ehefrau unter die Vormundschaft ihres Mannes stellte, beteiligten sich zahlreiche Frauen aktiv am Volksaufstand und an der Organisation der Kommune. Zu den bekanntesten gehörten die Lehrerin Louise Michel, Nathalie Lemel, Aktivistin der Internationalen Arbeiterassoziation, oder Elisabeth Dmitrieff, russische Revolutionärin und Feministin, Gründerin der „Union der Frauen zur Verteidigung von Paris und zur Versorgung der Verwundeten“ …
Die Kommune, die nur 72 Tage bestand, hatte keine Zeit, das Frauenwahlrecht einzuführen, aber es wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um ihnen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen, Lohngleichheit zu erreichen, nichteheliche Lebensgemeinschaften anzuerkennen, Scheidungen zu erleichtern …
Wir könnten auch andere wichtige demokratische und soziale Maßnahmen nennen, die von der Kommune innerhalb weniger Wochen ergriffen wurden. Dazu gehörten die Trennung von Kirche und Staat, das Verbot „all dessen, was das individuelle Gewissen jedes Einzelnen betrifft” in den Schulen, aber auch der Erlass unbezahlter Mieten, die Beschlagnahmung leerstehender Wohnungen, die Abschaffung von Geldstrafen und Lohnabzügen, die Bereitstellung von Räumlichkeiten für Arbeitervereine, die seit dem Gesetz Le Chapelier von 1791 verboten waren…
Die Bereicherung der marxistisch-leninistischen Staatstheorie
Das Wertvollste, was von dieser historischen Erfahrung geblieben ist, sind jedoch die Lehren, die Marx und Engels gezogen haben, als sie betonten, dass die Kommune gezeigt habe, dass „die Arbeiterklasse sich nicht damit begnügen kann, den Staatsapparat so zu übernehmen, wie er ist, und ihn für ihre eigenen Zwecke einzusetzen“ (1). Diese Analyse, wonach der bürgerliche Staat „ein Kriegsgerät des Kapitals gegen die Arbeit“ ist, das zerstört werden muss, um eine völlig neue Machtform, eine neue Form der „Regierung der Produzenten durch die Produzenten selbst“ zu errichten, ist auch heute noch eine Trennlinie zwischen Reformisten und Revolutionären. Wie Lenin später betonte, muss diese Machtübernahme durch die Arbeiter dazu dienen, die Enteigner [Exproprieteure] zu enteignen, d. h. das kapitalistische Privateigentum an den Produktionsmitteln in gesellschaftliches Eigentum umzuwandeln. Dies wurde durch eine weitere grundlegende Erfahrung für die Kommunisten verwirklicht, nämlich die sozialistische Oktoberrevolution von 1917 und die Errichtung der Sowjetrepublik im ehemaligen Zarenreich. Es ist also kein Zufall, dass die PCOF den 18. März als Datum für die Eröffnung ihres Gründungskongresses gewählt hat, den sie „Kongress der Pariser Kommune” genannt hat.
1) K. Marx: „Der Bürgerkrieg in Frankreich“ (Ausgabe der IKMLPO)
Aus La Forge 03-2026, Zeitung der kommunistischen Arbeiterpartei Frankreichs (PCOF)
Foto: Verhaftung von Louise Michel, eine herausragende Revolutionärin und Kämpferin der Kommune. Von Jules Girardet – http://www.histoire-image.org/site/etude_comp/etude_comp_detail.php?i=50, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4454070




