Seit über 70 Jahren hat jede Regierung die Beseitigung der Arbeitslosigkeit und Schaffung von Arbeitsplätzen in ihrem Programm. Trotzdem liegt die Arbeitslosenquote heute bei 6,3%, was fast 3 Millionen Menschen entspricht. Trotz „tapferem Kampf“ gegen die Arbeitslosigkeit konnte und kann das kapitalistische System das Problem nie lösen. Warum? Um die Ware Arbeitskraft möglichst profitabel auszubeuten und die Lohnkosten niedrig zu halten, benötigt das Kapital immer eine Reservearmee von Arbeitslosen. Eine knappe Ware ist immer teurer, auch die Ware Arbeitskraft. Das Kapital hat gar kein Interesse daran, Arbeitslosigkeit abzuschaffen. Im Gegenteil! Da ist auch Druck auf Arbeitslose „gut“, weil so die Ware Arbeitskraft billiger wird. Wenn zahlreiche Arbeitslose bereitstehen, um den eigenen Job im Notfall zu übernehmen, dann überlegt man sich zwei Mal, ob man mehr Lohn fordert.
Für das Kapital ist die Ware Arbeitskraft nur notwendig, um überhaupt Profit machen zu können. Denn nur die Arbeit und das Produkt der Arbeit ist Quelle für neue Werte. Nur mithilfe der Ware Arbeitskraft lässt sich aus Geld mehr Geld machen. Sie ist die Quelle des Reichtums einer Gesellschaft. Daher ergibt sich auch ein der Arbeiterklasse wohl bekannter Widerspruch: Auf der einen Seite entwickelt sich die Menschheit immer weiter, wird immer produktiver, kommt mit immer weniger Arbeitszeit in die Lage, immer mehr und bessere Produkte herzustellen. Auf der anderen Seite kommt diese Verbesserung der Technik, zum Beispiel die Digitalisierung, der Gesellschaft gar nicht zugute, im Gegenteil: Immer mehr Kollegen müssen sich Sorgen machen, aufgrund der steigenden Produktivität entlassen zu werden. Zwar sind die Bedingungen da, dass alle weniger arbeiten könnten und gleichzeitig derselbe oder mehr gesellschaftlicher Reichtum geschaffen werden könnte – doch diese Faktoren spielen überhaupt keine Rolle. Es geht darum, die Profite oben zu halten und die Lohnkosten zu senken.
In einem anderen System…
Arbeitslosigkeit ist im Kapitalismus kein zufälliges und auch kein lösbares Problem. Nur in einer anderen Gesellschaft können die Widersprüche aufgehoben werden, die immer wieder dazu führen, dass tausende ihre Arbeit verlieren. Arbeit im Sozialismus hat eine ganz andere Qualität als in der heutigen, kapitalistischen Gesellschaft. Arbeit dient nicht den Profitinteressen einzelner, sondern richtet sich nach den Bedürfnissen der Gesellschaft und der Arbeiterklasse. Die Arbeiterklasse bestimmt, was und wie produziert wird. Im Kapitalismus bedeutet beispielsweise Schutz der Umwelt immer Verteuerung der Produkte und für das Kapital eine Schmälerung des Profits, unnötige Kosten. Im Sozialismus bedeutet Schutz der Umwelt Befriedigung eines Grundbedürfnisses nach einer lebenswerten Umwelt und gesamtgesellschaftlich eine ungeheure Ersparnis an Arbeitskraft und Ressourcen. Im Sozialismus wird nicht jeder Produktionsprozess einzeln für sich betrachtet, sondern alles als Gesamtrechnung für die Gesellschaft. Genauso ist es mit dem Thema Arbeitslosigkeit. Auch im Sozialismus kann mit wachsender Produktivität und zunehmender Befriedigung der Bedürfnisse weniger Arbeit notwendig sein. Das führt nicht zu Entlassungen, sondern zur Senkung der notwendigen Arbeitszeit. Arbeitsplätze sind sicher. Wenn es nicht um Profitmaximierung geht, dann bieten Fortschritte in der Produktivität die Möglichkeit, entweder mehr zu produzieren, um Bedürfnisse zu befriedigen oder, wenn diese gedeckt sind, die Arbeitszeit zu verkürzen. Beides erhöht den gesellschaftlichen Wohlstand.
Heute sind die Voraussetzungen für eine Planwirtschaft sogar sehr weit fortgeschritten. Das Kapital selbst bedient sich der Planung, allerdings nur innerhalb eines Konzerns. Bei Volkswagen wird nicht einfach losproduziert. Alles ist geplant und abgestimmt, sogar über den Konzern hinaus bis zu den Zulieferern. Auch die Beschaffung der Rohstoffe geht planmäßig, sonst würde ja ständig die Produktion stillstehen. Das Kapital hat selbst die Instrumente wie z.B. die Digitalisierung entwickelt, mit denen die Planung ständig verbessert wurde. Dadurch allerdings, dass das nur auf Konzernebene angewendet wird, herrscht in der gesamten Volkswirtschaft trotzdem Chaos. Die Konkurrenz macht eine gesellschaftliche Planung unmöglich. Bei einer gesellschaftlichen Produktion im Sozialismus wären diese Reibungsverluste und Schäden des Kapitalismus und des Konkurrenzkampfes beseitigt.
Die Widersprüche des Systems zwingen heute allein in Deutschland hunderttausende Kollegen dazu, um ihre Arbeitsplätze zu kämpfen und sich gegen die Interessen des Kapitals zumindest ein wenig Sicherheit zu erstreiten. Doch dass wir für unsere Arbeitsplätze überhaupt kämpfen müssen, ist kein Naturgesetz – es ist das System, das uns die Sicherheit nimmt und gegen das der Kampf geführt werden muss.




