„Streikfreier Kompromiss“ zwischen GDL und DB erzielt!

Die Tarifverhandlungen zwischen der GDL und der DB, die mit Spannung verfolgt wurden, um herauszufinden, ob es zu einem Streik kommt oder nicht, sind abgeschlossen. Während die GDL erklärte: „Die Tarifverhandlungen wurden erfolgreich abgeschlossen“, bezeichnete die DB-Leitung das erzielte Ergebnis als einen „intelligenten Kompromiss“. Die DB-Leitung äußerte außerdem, dass sie auch in Zukunft Tarifverträge in einer „Friedenszeit“ unterzeichnen möchten. Die bürgerlichen Medien berichteten über die Ergebnisse des 24-monatigen Vertrags, der für sieben Monate keine Lohnerhöhung vorsieht, mit Schlagzeilen wie „Abschluss ohne Streik“. Einige Details des Vertrags wurden der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt. Ob dieser Vertrag für die GDL einen „Wendepunkt“ darstellen wird, wird sich in der kommenden Zeit zeigen – es ist jedoch offensichtlich, dass er sich negativ auf die laufenden Tarifverhandlungen in anderen Branchen auswirken wird.

Die Tarifverhandlungen über die Löhne zwischen der Deutschen Lokführer-Gewerkschaft (GDL) und der Deutschen Bahn AG (DB) wurden am 27. Februar abgeschlossen. Beide Seiten erklärten: „Wir haben uns mit dem Ziel an den Verhandlungstisch gesetzt, den Vertrag in einer Friedenszeit abzuschließen – und das ist uns gelungen.“

5 % Lohnerhöhung?

Wie bekannt, ist die GDL mit Forderungen in die Verhandlungen eingetreten, die eine Erhöhung der Festgehälter um 3,8 % für einen Zeitraum von 12 Monaten, die Schaffung einer zusätzlichen Entgeltgruppe und Verbesserungen bei der Entgeltgruppierung umfassten. Laut der GDL entsprachen diese Forderungen insgesamt einer Lohnerhöhung von 8 %. Wie dies erreicht werden sollte und wie viele DB-Mitarbeiter davon betroffen wären, blieb jedoch unklar.
Betrachtet man das erzielte Ergebnis (siehe Kasten), wird deutlich, dass die Löhne nicht, wie von der GDL und der DB behauptet, um 5 % gestiegen sind. Die Parteien einigten sich darauf, die Löhne in zwei Stufen zu erhöhen, und behaupten, dass die Löhne um 5 % gestiegen seien, indem sie die Prozentsätze der beiden Stufen addieren. Weder die GDL noch die DB erwähnen, dass die Festgehälter in den ersten sieben Monaten des Vertrags eingefroren bleiben.
Wie bekannt, lief der letzte gültige Vertrag zwischen der GDL und der DB am 31. Dezember 2025 aus. Es wäre daher normal gewesen, dass die Lohnerhöhungen ab dem 1. Januar 2026 gezahlt werden. Laut Vertrag werden die Festgehälter jedoch erstmals am 1. August 2026 erhöht – oder genauer gesagt, es wird in den ersten sieben Monaten des Vertrags keine Lohnerhöhung geben. Es sei darauf hingewiesen: Keine Lohnerhöhung bedeutet für die Lokführer tatsächlich einen Reallohnverlust. Die Reallöhne sinken um die Inflationsrate, die während der Zeit, in der die Nominalgehälter unverändert bleiben, anfällt!
Egal, was die DB und die GDL sagen – für die Lokführer gibt es keine 5 % Lohnerhöhung, sondern einen Reallohnverlust!
Der einzige positive Aspekt des Vertrags ist die „einmal Zahlung“ in Höhe von 700 Euro, die als „Bonus“ angesehen werden kann. Für Auszubildende beträgt dieser Bonus 350 Euro.

Was hat sich geändert?

Der GDL-Vorsitzende Mario Reiß, der das von der DB vorgelegte Angebot von „insgesamt 6 %“ während der Tarifverhandlungen bewertete, sagte: „Die DB AG spricht in ihrer Kommunikation von einer Gesamterhöhung um 6 %. Auf den ersten Blick mag das auf dem Papier wie ein guter Schritt erscheinen. Doch das Wesentliche sind die konkreten Regelungen, insbesondere die vorgesehene Laufzeit des Vertrags von zweieinhalb Jahren. Aus dieser Perspektive betrachtet verliert der Zahlenwert erheblich an Bedeutung. Hier kann man nicht von einem echten Inflationsausgleich sprechen, und wir bleiben unter diesem Niveau zurück…“
Vor Beginn der Tarifverhandlungen hatte Reiß noch erklärt, dass die Lokführer aufgrund der Inflation der letzten Jahre immer noch einen Reallohnverlust von 13 % hätten und dass ihr Hauptziel darin bestehe, diesen Verlust erheblich zu verringern. Reiß sagte: „Wenn man bedenkt, dass unsere Forderungen insgesamt 8 % betragen, wird deutlich, dass wir weit davon entfernt sind, den Reallohnverlust auszugleichen. Wir stellen keine überhöhten Forderungen, sondern wollen die Arbeits- und Lebensbedingungen der Eisenbahner sowie ihre Rentenzeit verbessern.“
Die eigentliche Frage lautet jetzt jedoch: „Was hat sich geändert, dass die GDL einem solchen Kompromiss zugestimmt hat?“ Um diese Frage zu beantworten, muss man verstehen, warum die neue GDL-Führung unter Reiß nicht – wie zuvor – mit Warnstreiks oder unbefristeten Streiks für die Durchsetzung ihrer Forderungen gekämpft hat.
Oder man muss die Aussagen der Tarifparteien analysieren: „Wir haben uns mit dem Ziel an den Verhandlungstisch gesetzt, den Vertrag in einer Friedenszeit abzuschließen – und das ist uns gelungen.“ Das Ziel, den Vertrag in einer Friedenszeit abzuschließen, bedeutet in Wirklichkeit, keinen Streik durchzuführen. Oder warum spricht die DB-Leitung von einem „intelligenten Kompromiss“, während die GDL erklärt: „Die Tarifverhandlungen wurden erfolgreich abgeschlossen.“
Zunächst muss man feststellen: Alle Tarifverhandlungen enden letztlich mit einem Kompromiss. Manchmal ist es ein sehr guter Kompromiss, bei dem fast alle Forderungen erfüllt werden, manchmal ein weniger guter, bei dem ein Großteil der Forderungen erreicht wird. Manchmal ist es ein Vertrag, der unter großen Zugeständnissen unterzeichnet wird, um eine schlimme Niederlage zu vermeiden, und dieser wird als ein Kompromiss mit vielen Zugeständnissen bezeichnet. Die Bezeichnung „schlechter Kompromiss“ wird hingegen für Verträge verwendet, bei denen unnötige Zugeständnisse gemacht oder Verträge ohne Kampf und ohne Verlassen des Verhandlungstisches unterzeichnet werden, obwohl die Bedingungen günstig sind.
Daher bedeutet die Kritik an einer Gewerkschaft, „warum habt ihr einen Kompromiss geschlossen“, an sich nicht viel. Letztlich ist das Kräfteverhältnis in Klassenkämpfen entscheidend – die Klasse, die stärker ist, gewinnt.

Vom „streitlustigen“ Gewerkschafter zum „besonnenen“ Gewerkschafter…

Der ehemalige GDL-Vorsitzende Claus Weselsky, der in der bürgerlichen Presse als „streitlustig“ bezeichnet wurde, beherrschte mit seinem Ruhestand, wenn auch nur für ein paar Tage, die Schlagzeilen des Landes. Das deutsche Kapital und die bürgerlichen Medien haben ihre Freude über diese Situation nicht verborgen. Ihrer Meinung nach könnte es nichts Schöneres geben, als dass ein „streiksüchtiger“ Gewerkschafter in den Ruhestand geht. Der Grund dafür: Weselsky, der 16 Jahre lang als Vorsitzender der GDL tätig war, organisierte in dieser Zeit 234 Streiks mit einer Gesamtdauer von 12.012 Stunden (500 Tage!).
In diesem Zusammenhang war „die wichtigste Frage“, welche Linie Mario Reiß verfolgen würde, der Weselskys Amt übernehmen sollte. Wochenlang wurde in der Öffentlichkeit spekuliert, was für ein Gewerkschafter Reiß sei und ob er die Gewerkschaft hinter sich vereinen könne – nicht nur in den bürgerlichen Medien, sondern auch in der „linken“ Presse war dieses Thema lange Zeit präsent.
Weselsky war weder „streitlustig“ noch ein „streiksüchtiger“ Gewerkschafter. Er war ein ehrlicher Gewerkschafter, der die Interessen aller Eisenbahner, insbesondere seiner Mitglieder, im Blick hatte. Seine Kritik an der DB-Leitung sowie an der konkurrierenden Gewerkschaft EVG innerhalb des Konzerns war stets in diesem Rahmen. Es ist bekannt, dass Weselsky kein Befürworter des Klassenkampfes war: In Interviews zu seinem Ruhestand erklärte er, dass er kein Anhänger des Klassenkampfes sei und stets den Wunsch hatte, mit der DB-Leitung auf Augenhöhe als Sozialpartner zu verhandeln. Allerdings wollte die Konzernleitung keinen Sozialpartner auf Augenhöhe, sondern brachte Arbeitsbedingungen auf den Tisch, die an Methoden des „Raubtierkapitalismus“ erinnerten. Die EVG unterwarf sich der Konzernleitung, was die GDL zwang, entweder den Kampf zu verstärken oder sich der DB AG zu unterwerfen. Die GDL entschied sich zwangsläufig für den Kampf, andernfalls hätte sie aufgehört, eine Gewerkschaft zu sein.
Reiß unterzeichnete vor den ersten Tarifverhandlungen als Vorsitzender ein besonderes Protokoll mit der DB AG. Demnach werden die Parteien nach Ablauf der Vertragslaufzeit zwei Monate lang unter einer „Friedenspflicht“ weiter verhandeln und sich bemühen, den Vertrag in dieser Zeit zu unterzeichnen. Weder die GDL noch ihr Vorsitzender Reiß waren verpflichtet, ein solches Protokoll zu unterzeichnen. Doch Reiß unterzeichnete das Protokoll, um der bürgerlichen Presse zu zeigen, dass er „besonnener“ sei als sein Vorgänger. Auch die Verteidigung des schlechten Kompromisses als „Erfolg“ zeigt dies.
Und da der Abschluss von der Tarifkommission einstimmig angenommen wurde, konnte auch eine Urabstimmung der Mitglieder vermieden werden. Das ist undemokratisch!

Welche Linie wird sich durchsetzten?

Der ehemalige GDL-Vorsitzende Weselsky wirkte auch innerhalb des Dachverbands seiner Gewerkschaft, des Deutschen Beamtenbundes (DBB), wie ein Fremdkörper. In den ersten Jahren seiner Amtszeit wurde Weselsky auch vom DBB kritisiert und zur Besonnenheit aufgerufen, doch schließlich konnte er sich durchsetzen. Innerhalb des DBB sowie der GDL gab es jedoch viele Führungskräfte, die gegen Weselskys kämpferische Linie waren.
Wie bereits von unserer Zeitung erwähnt: Auch wenn der Kampf der GDL und ihre Linie „auf die Eisenbahnen beschränkt“ erscheinen mag, betrifft er die gesamte deutsche Arbeiterklasse sehr unmittelbar. Es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass dieser Kampf eine wichtige Rolle bei der Bestimmung des Verlaufs der Klassenkämpfe in den kommenden Jahren spielen wird. Daher ist es wichtig, ob sich in der GDL eine kollaborative oder eine kämpferische Linie durchsetzen wird.

Tarifergebniss:

Festgehaltserhöhungen:
August 2026: 2,5 %
August 2027: 2,5 %

Einmalzahlungen:
Für Beschäftigte: 700 Euro
Für Auszubildende und Praktikanten: 350 Euro

Zusätzliche Gehaltsregelungen:
Ab dem 1. August 2026 Einführung einer neuen, achten Gehaltsstufe (für Beschäftigte mit 35 Dienstjahren im Unternehmen)
Ab dem 1. Dezember 2026 gezielte Erhöhungen der Gehälter und Zulagen für operatives Personal.
Zukünftig werden viele Regelungen „realistischer“ und „leistungsorientierter“ klassifiziert.

Vertrags- und Friedenszeit:
Der Vertrag gilt für 24 Monate (1. Januar 2026 – 31. Dezember 2027)
Friedenspflicht bis zum 31. März 2028 (Dreimonatige Verhandlungszeit)

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