Ein paar Zeilen aus dem Tagebuch der globalen Gangsterpolitik

Die Trump-Regierung schreibt das Buch der globalen Piraterie neu. Die pompöse Bezeichnung, die sie für ihre Tyrannei gefunden hat, lautet „auf Macht basierender Frieden“.

(Artikel von Fehim Taştekin, übersetzt aus der EVRENSEL vom 08. Februar 2026)

Von Palästina bis zum Libanon, von Syrien bis zum Irak und Iran beobachten wir eine Reihe aggressiver Politiken. Auch wenn zwischen Israel und den USA in einigen Punkten Uneinigkeit über Methoden, Umfang und Zeitplan herrscht, sind sie sich doch einig in ihrem Ziel, in der Region keinen unberührten Boden und keinen ungebrochenen Willen zu hinterlassen. Trumps Plan, aus dem Völkermord in Gaza ein Immobilienparadies für die Verwöhnten dieser Welt zu schaffen, führt in Israel zu Beschwerden wie „Die USA haben Gaza übernommen, Israel bleibt nur noch die Freiheit zu töten”. Washington jedoch verbucht dies als eine Wohltat, die die Verbrechen des jüdischen Staates reinwäscht und dessen Sicherheit garantiert. Dass Israel den Waffenstillstand mit der Hisbollah innerhalb eines Jahres mindestens 10.000 Mal verletzt hat und erst letzte Woche Chemikalien über die landwirtschaftlichen Flächen des Libanon abgeworfen hat, fällt ebenfalls unter die Freiheit, mit amerikanischer Garantie Verbrechen zu begehen.

Die Grenze, an der Israel von seinem Haupthandelspartner und Beschützer eingeschränkt wird, beginnt dort, wo das Prinzip „Israel zuerst“ das Prinzip „Amerika zuerst“ übertrumpft. Der Waffenstillstand in Gaza, im Libanon und im Jemen trat in Kraft, als die unendliche Unterstützung Israels begann, den amerikanischen Interessen zu schaden. Ebenso führte das Unterstreichen des Prinzips „Amerika zuerst“ dazu, dass Israel seine aggressive Haltung gegenüber den Plänen der USA, Syrien mit Hilfe von ehemaligen IS- und Al-Qaida-Mitgliedern in den amerikanischen Nahost-Ordnung zu integrieren, zügelte. Die Partnerschaft mit Akteuren wie Saudi-Arabien, Katar und der Türkei hat trotz Israels Einfluss die amerikanischen Präferenzen in Syrien ein wenig beeinflusst.

Die Entscheidung, 80 % der von den Syrischen Demokratischen Kräften (SDG) kontrollierten Gebiete, darunter Öl- und Gasfelder, Staudämme und Kraftwerke, Grenzübergänge und Städte, aufzugeben, war ebenfalls ein Befehl der amerikanischen Interessen. Letztendlich war es jedoch das Ziel der Amerikaner, Israels wichtigste Feinde als Bedrohung zu beseitigen. Während die USA ihre Hegemonie neu „codieren“, richten sie vor Ort ihre Partnerschaften neu aus – weg von den SDF hin zu HTS. Dabei achten sie darauf, wem die Gewinne der amerikanischen Konzerne zugerechnet werden. Während die Öl- und Erdgasprojekte im Mittelmeerraum, mit denen Russland früher hingehalten wurde, nun an Chevron gehen, sammeln die neuen Herren in Damaskus bei den USA Pluspunkte.

Während zunehmend Signale kommen, dass die HTS auch in anderen Bereichen als funktional für Israel gesehen wird, richtet sich der Blick auf die Prioritätenliste des „Chefs“. Gegenüber der „shiitischen Achse des Widerstands“ soll nun eine Achse aus „kooperativen salafistisch-sunnitischen“ Kräften als Gegengewicht neu positioniert werden.

Im Libanon werden die früheren Einfluss- und Interventionskanäle des alten syrischen Regimes diesmal in umgekehrter Richtung genutzt. Man prüft, ob die HTS in Zusammenarbeit mit Israel in eine Mission gedrängt werden könnte, um die Hisbollah niederzuschlagen. Die „dschihadistische“ Truppenkonzentration in Richtung der libanesischen Grenze ist jedenfalls alles andere als ein gutes Zeichen. Mit demselben Szenario richtet sich der Blick nun nach Osten: Diesmal wird gefragt, welche Rolle das „neue Syrien“ bei der Ausschaltung der al-Haschd asch-Schaʿbī (Bündnis shiitischer Milizen) im Irak spielen könnte. Ob das realistisch ist, lässt sich diskutieren – das heißt jedoch nicht, dass solche Optionen nicht erwogen oder ausprobiert würden.

Erneut maßregelt Trump Bagdad, weil im von Krieg und Besatzung geknebelten Irak Nuri al-Maliki als Kandidat für das Amt des Premierministers gehandelt wird. „Maliki darf nicht Premierminister werden“, sagt er und droht im Falle von Ungehorsam damit, die in der Federal Reserve Bank von New York verwahrten irakischen Öleinnahmen einzufrieren. Den geschwätzigen Mark Savaya, der vom Cannabis-Unternehmer unter dem Deckmantel eines „US-Sondergesandten für Irak“ praktisch zum Kolonialverwalter befördert wurde, zieht er ebenfalls aus dem Verkehr, weil er keinen wirksamen Druck aufbauen konnte. Diese bizarren Reaktionen und die ständig in den Raum gestellten und dann plötzlich wieder zurückgezogenen Drohungen legen offen, dass die amerikanische Rolle als „gamemaster“ auch Schwächen hat.

Die größte Bühne wird jedoch für den Iran aufgebaut, den die USA im Kräftegleichgewicht des Nahen Ostens als die „Wurzel des Übels“ betrachten. Trump hat sämtliche Tötungs- und Zerstörungsmaschinerie im Nahen Osten aufgefahren, mit dem Ziel, Iran unter drei Bedingungen zur Kapitulation zu zwingen. Teheran wiederum erhöhte die Abschreckungsschwelle, indem es erklärte, jeden Angriff als Kriegserklärung zu werten und entsprechend zu reagieren.

Ist Trump nun aus Rücksicht auf mindestens neun verbündete Länder, die in der Region „Stopp“ riefen, von der Kriegsposition an den Verhandlungstisch zurückgekehrt? Oder weil er es nicht wagte, sich in einen vollumfänglichen Krieg hineinziehen zu lassen? Beides zugleich zu denken, ist kein Widerspruch. Auch unter Trumps israelischen Verbündeten ist die Tendenz verbreitet, seine Kriegsdrohungen als Strategie zu sehen, Iran in die Knie zu zwingen. Zugleich wächst bei manchen die Sorge, Trump könne sich mit einem halben Deal aus der Eskalation zurückziehen und das Regime letztlich in Ruhe lassen. Was sie wollen, ist ein Krieg der Amerikaner für Israel.

Obwohl die von ihnen geforderten Bedingungen vom Iran abgelehnt wurden, setzte man sich am 6. Februar in Maskatan an den Tisch. Das zeigt: Trotz Trumps aggressiver Rhetorik besteht das Bedürfnis, sich selbst einen Raum zum Manövrieren offen zu halten.

Die im Befehlston formulierten Bedingungen lauten:

Erstens: „Du beendest dein Urananreicherungsprogramm und bringst die zu 60 Prozent angereicherten Uranbestände außer Landes.“

Zweitens: „Du schränkst dein ballistisches Raketenprogramm ein.“

Drittens: „Du verabschiedest dich von der Achse des Widerstands und änderst deine Nahostpolitik.“

Teheran erklärte, über eine Begrenzung des Atomprogramms nur im Gegenzug für die Aufhebung der Sanktionen verhandeln zu wollen. Irans Außenminister Abbas Araghchi sagte, in Maskat sei ausschließlich darüber gesprochen worden. Trump hingegen erklärte, obwohl noch keinerlei Ergebnis erzielt worden sei und der Tisch nicht nach US-Bedingungen gedeckt war: „Das Gespräch war sehr gut“ – und entschied, es fortzusetzen. Allein das bedeutet für Trump bereits einen Schritt zurück.

Einmal mehr zeigte sich, was die Grenzen globaler Großmäuligkeit bestimmt: dem Akteur die Kosten seiner zerstörerischen Abenteuer vor Augen zu führen. Gleichzeitig befeuert die Tatsache, dass viele Zerschlagungsoperationen und schmutzige Interventionen bislang folgenlos blieben, die amerikanische Rücksichtslosigkeit weiter. So prahlte US-Finanzminister Scott Bessent am 20. Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos damit, wie man dem Iran „finanziellen Terror“ antue:

„Wir haben im Land eine Dollarknappheit erzeugt, das zeigte schnell Wirkung. Der Höhepunkt war im Dezember erreicht, als eine der größten Banken Irans nach massiven Abhebungen kollabierte. Die Zentralbank musste Geld drucken. Die iranische Währung stürzte ab, die Inflation explodierte – und am Ende sahen wir die Menschen in Iran auf den Straßen.“

Dasselbe wiederholte Bessent am 5. Februar in einer Sondersitzung des US-Senats.

Solche Interventionen sind ihrem Wesen nach Akte der Gangsterpolitik, die konsequenzlos bleiben. Dennoch vertrauen noch immer viele darauf, dass Trumps pragmatische, profitorientierte Persönlichkeit verhindern werde, dass sich die Kriege wiederholen, die in der Region Katastrophen angerichtet, Terrorfabriken geschaffen und gebrochene, instabile Staaten hinterlassen haben.

Doch sobald Trump überzeugt ist, mit geringem Aufwand schnell ans Ziel zu kommen und hohe Gewinne einzustreichen, ist auch das etwas, was er ohne Zögern tun wird.

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