Bei den diesjährigen Ostermärschen standen insbesondere die Ablehnung der Wiedereinführung der Wehrpflicht, die drohende Stationierung von Mittelstreckenwaffen in Europa sowie die Forderung nach Waffenstillstand und Frieden insbesondere im Nahen Osten.
In Berlin fand mit 6000 Teilnehmenden laut Veranstalter am Samstag die größte Aktion statt, dicht gefolgt von Frankfurt und Stuttgart mit 5000 sowie Hamburg mit 4000 Teilnehmenden. Im Allgemeinen ist festzuhalten, dass die Teilnahme im Vorjahresvergleich zugenommen hat – und das, obwohl in der Berichterstattung in der bürgerlichen Presse die Stagnation der Teilnahme heraufbeschworen wurde.



Einen wichtigen Beitrag für die Zunahme der Teilnahme leistete dabei die Jugend. Einerseits zeigte sich an den Ostermärschen, dass für mehr Jugendorganisationen das Thema Frieden auf der Tagesordnung steht, andererseits haben auch die Schulstreiks gegen Wehrpflicht dazu geführt, dass mehr Jugendliche auf den Ostermärschen mitlaufen. So hielten auch in vielen Orten die Streikkomitees und Bündnisse Reden, stellten in manchen Orten gar eigene Blocks.

Ebenso wurde positiv beobachtet, dass die Friedensbewegung in vielen Orten es aktuell schafft, Differenzen zu überwinden und gemeinsame Demonstrationen zu veranstalten. So ist insbesondere die wieder höhere Beteiligung von Gewerkschaften hervorzuheben, die mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine zurückgegangen war. In vielen Orten, wie Frankfurt, Stuttgart, Bremen und Köln riefen Gewerkschaften wie ver.di, GEW und DGB zu den Ostermärschen auf und hielten Reden. In Orten wie Hamburg und Bremen gab es gar eigene Blöcke von Gewerkschaftern.

Während sich die Reden auf der Demonstration in Berlin maßgeblich auf die Rolle des US-Imperialismus fokussierten, betonte in Stuttgart Maike Schollenberger, Landesbezirksleiterin der ver.di Baden-Württemberg: „Wenn unsere Bundesregierung gegen die gesellschaftliche Mehrheit diese Kriege […] unterstützt, dann müssen wir aufstehen und sagen: Nicht in unserem Namen!“

Trotz der positiven Entwicklungen sind die Ostermärsche heute von den Hochzeiten, wo Millionen gegen den Irakkrieg auf die Straße gingen, weit entfernt. Um an diese Erfolge anknüpfen zu können, muss die Friedensbewegung sich wieder tiefer in der Gesellschaft verankern – die Schulstreikbewegung hat gezeigt, wie das geht: Wer aus der eigenen Schule heraus für den Frieden kämpft, der nimmt auch viele mit, die sonst nicht auf eine Friedensdemonstration gekommen wären. Umso wichtiger ist es, die positiven Entwicklungen jetzt weiterzuführen – in Schulen, Gewerkschaften und überall sonst! Auch die Verbindung der Friedensfrage mit weiteren Themen ist dafür entscheidend, so betonte auch Prof. Dr. Christoph Butterwegge in seiner Rede in Bremen: „Das gigantische Rüstungsprogramm der Bundesregierung muss energisch bekämpft, die demokratische Frage mit der sozialen und diese mit der Friedensfrage verknüpft werden.“ Also: Lasst uns neue Streikkomitees an den Schulen gründen, um den nächsten Schulstreik am 8. März noch größer zu machen! Lasst uns als Eltern vernetzen und den Schülern unsere Solidarität praktisch zeigen! Lasst uns am Arbeitsplatz und in unserer Gewerkschaft die Friedensfrage weiter auf die Tagesordnung setzen! Lasst uns Initiativen wie „Gewerkschaften gegen Aufrüstung und Krieg“ unterstützen! Lasst uns klarmachen, dass die Friedensfrage keine moralische Frage in ferner Zukunft ist, sondern bereits heute mit der milliardenschweren Hochrüstung direkt unsere Zukunft bedroht – denn auf der anderen Seite werden Milliarden in der Gesundheit, der Bildung, dem Wohnen und dem Sozialen gespart.




