Jetzt ist die Zeit, um zu kämpfen!

Die Tarifkommissionen und der IG Metall Vorstand haben in der Metall und Elektroindustrie ihre Forderung für die anstehende Tarifrunde beschlossen.

Die IG Metall fordert für eine Laufzeit von 12 Monaten:

5 Prozent mehr Geld für Beschäftigte und Auszubildende

Weitere Gesprächsthemen sind:

Eine Gewinnbeteiligung für Beschäftigte und Auszubildende bei Unternehmen in guter wirtschaftlicher Lage

Eine soziale Komponente, heißt die besondere Stärkung der unteren Entgeltgruppen, Teilzeitbeschäftigten und Auszubildenden. Da diese besonders betroffen sind von den Teuerungen.

Beschäftigungssicherung

Worauf es jetzt ankommt

Für einige mag die Forderung zu niedrig sein, für andere schon zu hoch. Nun kommt es aber darauf an nicht weiter in der Forderungsdiskussion zu verharren, sondern in den Betrieben die heiße Warnstreikphase vorzubereiten. Das bedeutet nicht nur sich über die ökonomische Forderung auszutauschen, sondern über den Generalangriff der Bundesregierung und des deutschen Kapitals zu sprechen. In dieser Hinsicht zählt Gesamtmetall zu den aggressivsten Vertretern des Sozialabbaus und auf erkämpfte Errungenschaften. Der Kurs der Bundesregierung ist ihnen dabei noch nicht schnell genug. 8 Stunden Tag, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Gesundheits- und Bildungssystem wird alles im Sinne der Profitmaximierung deutscher Konzerne zur Debatte gestellt. Gleichzeitig wagt Mercedes den Schritt nach vorne gegen die 35 Stundenwoche.
Die Antwort von Gesamtmetall auf den Forderungsbeschluss der IG Metall lässt nicht lange auf sich warten. In einer Pressemitteilung teilt der Kapitalverband mit: „Wir haben in der kommenden Tarifrunde nicht den Luxus, über die Verteilung von Zuwächsen zu verhandeln.“ Und gibt seine Losung zur Tarifrunde bekannt: „Kosten senken, Standort retten“. Dass mit Kosten vorallem die Löhne der Beschäftigten in der Branche gemeint sind, dürfte kein Geheimnis sein. All diese Angriffe und auch die Kämpfe gegen sie sind nicht voneinander losgelöst, sondern stehen in Verbindung zueinander. Die Metaller in den Betrieben haben die Kraft und auch die Möglichkeiten die Kapitalseite zurück in die Schranken zu weisen. Dafür braucht es eine offensive Tarifrunde, die vor härteren Konflikten nicht zurückschreckt.

Stellschrauben sind Nullmonate und die Laufzeit der Tarifverträge

Sowohl in der Metall- und Elektroindustrie, aber auch in anderen Branchen, haben die Kapitalverbände Stellschrauben, an denen sie drehen um die Forderung zu drücken.
Einer von diesen Stellschrauben ist die Laufzeit. Während bei den letzten Tarifrunden Laufzeiten von 24 bzw. 25 Monaten ausgehandelt wurden, ist es heute um so wichtiger auf die 12 Monate zu beharren. Denn wer die Laufzeit in die Länge zieht, hat die Forderung einfach mal halbiert.

Zwei Beispiele:
12 Monate Laufzeit:
Die ersten 6 Monate: 2,5 Prozent
Die nächsten 6 Monate: 2,5 Prozent
Ergebnis: 3,75 Prozent auf 12 Monate
24 Monate Laufzeit:
Die ersten 12 Monate: 2,5 Prozent
Die nächsten 12 Monate: 2,5 Prozent
Ergebnis: 2,5 Prozent auf 12 Monate -> Forderung ist halbiert

Eine weitere Stellschraube sind Nullmonate und Einmalzahlungen. In der letzten Tarifrunde wurden auch an diesen Stellschrauben gedreht. Es gab direkt nach dem Abschluss der Tarifrunde eine Einmalzahlung von 600 Euro, was erstmal viele Kollegen freut, doch in Wahrheit schaden solche Einmalzahlungen der Lohnentwicklung, denn sie steigern die Löhne nicht dauerhaft, sondern sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Außerdem wurde die Einmalzahlung dazu genutzt, um die Monate ohne Entgelterhöhung zu überbrücken. Vertrauensleutegremien und Tarifkommissionsmitglieder sollten genau diese Diskussion offensiv führen und für kurze Laufzeiten ohne Nullmonate kämpfen.
Natürlich kann man auch eine Einmalzahlung ohne Nullmonate fordern – Dagegen ist nichts zu sagen.

Was hat es auf sich mit der Gewinnbeteiligung?

An zahlreichen Stellen können die Unternehmen bei jeweiliger wirtschaftlicher Lage Tarifverträge unterschreiten. Beispielsweise können Unternehmen, wenn sie unter die Nettoumsatzrendite von 2,3 Prozent fallen, die tarifliche Zahlung T-Zug verschieben oder einkassieren. Außerdem können sie mit dem sogenannten Pforzheimer Abkommen weitere Maßnahmen vereinbaren, wie beispielsweise das Aussetzen bzw. verschieben von Lohnerhöhungen durch Tarifabschlüsse oder Weinachts- und Urlaubsgeld. Diese Maßnahmen nennt man auch eine Differenzierung der Tarifverträge nach unten.
Nun bringt die IG Metall in ihrem Forderungsbeschluss eine Differenzierung nach oben ins Spiel, an welchen Kennzahlen das festgemacht werden soll oder wie diese Differenzierung nach oben aussehen könnte, bleibt erstmal offen. Doch das wichtige in dieser Diskussion ist, dass im Gegenzug der Kapitalseite keine weiteren Möglichkeiten geboten wird, um Tarifverträge zu unterschreiten. In einer kämpferischen Resolution der Tarifkommission in Baden-Württemberg heißt es dazu: „Wir werden während der Tarifrunde 2026 grundsätzlich keine Verhandlungen über betriebliche Abweichungen vom Flächentarifvertrag aufnehmen. Ausnahmen sind nur in besonderen Härtefällen möglich. Forderungen nach Arbeitszeitverlängerungen oder tariflichen Verschlechterungen werden nicht verhandelt. Damit setzt die Tarifkommission ein klares Zeichen zur Verteidigung der Tarifbindung und tariflicher Standards.“

Es braucht jetzt eine offensive Tarifrunde!

Das Kapital und ihre Bundesregierung halten sich mit Forderungen zur Verschlechterung unserer Lebens- und Arbeitsbedingungen nicht zurück. Umso wichtiger ist es, nun in der Tarifrunde den Widerstand dagegen zu organisieren und für einen Tarifabschluss zu kämpfen der möglichst nahe an die 5 Prozent Forderung gelangt.
Die von den IG Metall-Bezirken regional geführten Tarifverhandlungen starten ab dem 7. Oktober. Die Friedenspflicht endet mit dem 31. Oktober und ab 1. November sind Warnstreiks möglich. Viel zeit bleibt nicht – alle die aus dieser Tarifrunde mehr herausholen wollen müssen sich ranhalten. Auch schon vor Ende der Friedenspflicht werden zu den Verhandlungstagen Aktionen stattfinden, ohne Warnstreikaufruf. Hier gilt es im Betrieb oder direkt vor dem Verhandlungslokal stärke zu zeigen.

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