Klimaneutral bis 2060 – grüner Kapitalismus aus China?

In Vorbereitung auf die Weltklimakonferenz (COP30) in Belem im vergangenen Monat hat Peking seine neuen Klimaziele bekanntgegeben und noch einmal unterstrichen: Bis 2030 soll der Höhepunkt an CO2-Emmissionen erreicht worden sein und bis spätestens 2060 soll das Land klimaneutral sein.

Schaut man sich die Zahlen aus dem laufenden Jahr an, sagen manche Experten sogar, dass der Rückgang der Emissionen Anfang 2025 (-1,2%) darauf hindeutet, dass der Höchstwert bereits jetzt in der Vergangenheit liegen könnte (Agora Energie China, 2025).

Insgesamt ist China weltweit Vorreiter beim Ausbau von Erneuerbaren Energien und baut fast doppelt so viele Kapazitäten für Wind- und Solarenergie wie der Rest der Welt zusammen. Und auch die Investitionen in Erneuerbare Energien sind beispiellos und haben so im vergangenen Jahr zu 40% zum Wirtschaftswachstum beigetragen (Centre for Research on Energy and Clean Air). Und diese Investitionen machen sie bemerkbar: So hat der gewonnene Strom im Land aus Wind- und Solarenergie (42%) die Gewinnung aus Kohlekraft im vergangenen Jahr zum ersten Mal übertroffen und von der globalen Produktion in diesen Sektoren macht China bei Solarmodulen über 70%, bei Lithium-Ionen-Batterien 69% und bei Windkraftanlagen 45% aus. Während viele westlichen Länder grüne Energien bewusst vernachlässigen, scheint der chinesische Staat einen ertragreichen Umgang mit ihnen gefunden zu haben. Warum das so ist, müssen wir unter Berücksichtigung vieler verschiedener Faktoren betrachten:
Beginnen wir dafür mit den Aspekten, die als offensichtlichstes ins Auge stoßen und nehmen uns dafür das Beispiel der E-Mobilität vor. Nicht nur war BYD im vergangenen Jahr der größte E-Auto-Hersteller der Welt, es war auch der eigene Binnenmarkt, der dabei eine entscheidende Rolle gespielt hat. Über 30 Millionen Fahrzeuge werden in China jährlich verkauft, was ein Drittel aller weltweit verkauften Autos ausmacht. Fast ein Drittel davon sind E-Autos. Und auch in der Produktion selbst sehen wir enorme Vorteile. E-Autos und E-Batterien insgesamt benötigen eine große Menge sogenannter seltener Erden und auch in diesem Bereich nimmt China aktuell eine eindeutige Monopolstellung ein, indem es rund 70% der seltenen Erden weltweit abbaut und bei der Weiterverarbeitung einen Anteil von sogar über 90% abdeckt. Diese Faktoren verschaffen dem chinesischen Imperialismus ganz „natürlich“ einige zentrale Vorteile in der Produktion und im Absatz von „grünen“ Technologien – sie allein erklären aber höchstens einen Vorsprung nicht aber die immensen Unterschiede zu anderen imperialistischen Ländern.


Ein Blick in die Geschichte

Dafür müssen wir einen Blick auf die Entwicklung der Produktion in diesen Sektoren über die letzten Jahrzehnte werfen. Eine wichtige Besonderheit hierbei sehen wir in der direkten Anwendung dieser Technologien in der inländischen Produktion. Viele Jahre hat Peking „grüne“ Grundlagenforschung veranlasst und weltweit die führende Rolle bei Patenten in der E-Mobilität, besonders bei Batterien und Ladetechnik eingenommen. Gleichzeitig wurde und werden diese Technologien weiterhin auch direkt in der Produktion angewendet und entwickelt. Zentral dabei war hierbei vor allem auch, dass es sich um Bereiche der Produktion handelte, in denen es kaum nennenswerte Industrien davor gab und wo dementsprechend “von null“ angefangen werde konnten. Ganz anders also als in den „klassischen Industrieländern“ wie Deutschland, wo bereits eine „konventionelle“ Industrie, allen voran eine riesige Verbrenner-Produktion sowie eine fossil-betriebene Stahlproduktion, besteht, welche sich nicht einfach widerspruchsfrei transformieren lässt. Wir sprechen hier von alteingesessenen Konzernen, die ohne „direkte“ Konkurrenz natürlich solange wie möglich auf gewohntem Wege weiter Profite erzielen. Erst wenn sie drohen eingeholt zu werden, sehen wir, wie sich der Druck äußert, z.B. in Form der extrem hohen Zölle oder vergleichbarer Export-Auflagen. Wir können also sagen, dass der chinesische Imperialismus an dieser Stelle quasi einen Schritt übersprungen hat: Nicht erst Führer in der Verbrenner-Produktion, dann in der E-Mobilität, sondern direkt (und sprunghaft) letzteres. Und die Verbrenner werden dann zusätzlich dazu mit westlichen Lizenzen im Inland und unter Ausnutzung viel billigerer Arbeitskräfte nachgebau
Auch der Verkauf dieser „grünen“ Technologien und die breite Vergabe von Krediten für den Kauf von diesen an abhängige Länder spielt wirtschaftlich eine weitere wichtige Rolle für China. Hinzu kommt, dass wir von sehr gezielten massiven staatlichen Subventionen in diesem Bereich sprechen können. Grüne Technologien wurden sehr zielorientiert aufgebaut und über den Globus gestreut, gleichzeitig wurden ebenso fossile Energien zur Sicherung des eigenen Wachstums ausgebaut, genauso wie ihr Import. China hat in den grünen Technologien bereits früh das Potential erkannt, mit den westlichen Konzernen nicht in erster Linie auf der Grundlage ihrer „angestammten“, „konventionellen“ Produktionstechnologie konkurrieren zu müssen, sondern diese Konfrontation unter neuen Vorzeichen stattfinden zu lassen, die gewissermaßen eine „Konkurrenz auf Augenhöhe“ ermöglichen.

Nicht für die Umwelt, sondern für Profit!

Und spätestens hier wird deutlich, dass es China – genau so wenig wie den anderen Imperialisten – um den Schutz der Umwelt geht. In den vergangenen 30 Jahren sind die weltweiten CO2-Emmissionen um 70% gestiegen und China hat dazu allen voran beigetragen. Es mag das Bild einer modernen, fortschrittlichen Produktion geschaffen werden, aber dieses Bild wird in China genauso auf dem Rücken der Arbeiterinnen und Arbeiter geschaffen, wie in anderen kapitalistischen Ländern. Prekären Arbeitsbedingungen, Kündigungen, niedrige Löhne und eingeschränkte Arbeitsrechte in Form von Streikverboten und Verhinderung gewerkschaftlicher Organisierung sind die bittere Realität. Die Fortschritts-Forschung an grünen Technologien in China erwächst also genau so wie andere Innovationen im Kapitalismus aus der kapitalistischen Konkurrenz und ist abhängig von dem Streben nach Profitmaximierung und nicht von moralischen Bekenntnissen zum Umweltschutz

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