1. Mai 2026: Arbeiterbewegung kämpft gegen Sozialabbau und Aufrüstung

Übereinstimmend wurde zum 1.Mai 2026 berichtet, dass überall die Teilnehmerzahlen deutlich anstiegen. Es zeigen sich erste Ansätze einer Arbeiterbewegung, die tatsächlich in Bewegung gerät.

Unter dem Druck von Massenentlassungen, beispielsweise im Automobilbereich, den extremen Angriffen auf Löhne, Arbeitszeit und dem voranschreitenden Sozialabbau unter anderem bei Renten und im Gesundheitswesen war der 1.Mai nicht traditioneller Feiertag, sondern konkreter Ausdruck der wachsenden Unzufriedenheit und Kampfbereitschaft. Das drückte sich auch in den Bannern und Schildern, die mitgetragen wurden, aus. Besonders positiv war auch der fast überall deutlich gestiegene Anteil an Jugendlichen, die oft sehr entschieden und kämpferisch auftraten. Ebenso erfreulich war, dass überall Transparente gegen Krieg und Aufrüstung und gegen die Wehrpflicht getragen wurden – ein Thema, das die Redner der Gewerkschaftsführungen zumeist aussparten, wenn sie nicht sogar zur Landesverteidigung aufriefen.

Im Gegensatz zu der kämpferischen Entwicklung an der Basis standen oft die offiziellen Reden. Ein Beispiel ist die Rede der IG Metall Bezirksleiterin Barbara Resch in Sindelfingen. Sie versuchte, kämpferisch aufzutreten, verlor sich aber in Allgemeinplätzen. Das Problem seien „Investitionsarmut, Digitalisierungsstau“ sowie „Manager an der Klagemauer“ ohne Mut und Ehrgeiz. „Bürokratische Hürden“ seien im Weg und müssen nach ihrer Ansicht weg. Die Manager hätten keine Ahnung und geschlafen. Die Marktradikalen hätten „jeden moralischen Kompass verloren“. Doch am Ende betonte sie: „Wir strecken die Hand aus! Wir sagen ja zu Maßnahmen, aber sie dürfen nicht einseitig zu unseren Lasten sein…“ Also ist sie für Lasten auf den Schultern der Arbeiterinnen und Arbeiter, wenn es nur „fair“ verteilt ist. Dazu kam dann noch die „nationale“ Karte, als sie bemängelte, „andere fluten mit Dumping-Preisen unsere Märkte…“

Statt über die Ausbeutung durch das Kapital zu reden, statt den stattfindenden Klassenkampf von oben, die Angriffe auf Renten, Gesundheitswesen, 8-Stunden-Tag, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und Pflegebedürftige klar beim Namen zu nennen und zum Kampf gegen diese Angriffe zu mobilisieren, streckte sie dem Kapital „die Hand aus“ und suchte den Standort-Schulterschluss gegen die Bösen, „die unsere Märkte fluten“. Arbeiterklasse und Kapital Arm in Arm gegen die Bösen. Wen sie da meinte, sagte sie nicht. Aber die Arbeiterklasse soll sich gegen die Arbeiter in Indien und China und sonst wo stellen. Internationale Solidarität ist da gestrichen. So ähnlich waren die offiziellen Reden fast überall. Es wird versucht, die Arbeiter vor den Standort-Karren zu spannen, sodass sie mehr Subventionen für das Kapital fordern und gegen die Bösen, die unsere Märkte fluten, kämpfen. Das Kapital und seine Aggressivität fallen dann unter den Tisch. Aufrüstung und Krieg werden mit keinem Wort erwähnt.

Auch das diesjährige DGB Motto stand in diesem Sinne: „Zuerst unsere Jobs, dann eure Profite“. Dass es diesen Interessensausgleich und diese Sozialpartnerschaft nicht gibt und im Gegenteil, eine solche immer zum Nachteil für die Beschäftigen führt, war vielen Demonstrierenden aber durchaus bewusst. So gab es überall im Land deutliche Kritik am Motto, bspw. durch Schilder „Unsere Jobs STATT eure Profite“ oder indem die Krise des deutschen Kapitals in Zusammenhang mit der Militarisierung und den Angriffen auf unsere Lebensbedingungen gesetzt wurde.

Im Kontrast zum offiziellen Motto und den Redebeiträgen der Gewerkschaftsbürokraten standen Sprechchöre, die Forderungen auf Schildern und die Reden von der Basis.

Es gab immer wieder auch sehr gute Beiträge, vor allem wenn Vertreter der Jugend sprechen durften. In Sindelfingen sprach Theodorus Teklu, Vorsitzender der Jugend- und Ausbildungsvertretung bei Daimler. Daimler Sindelfingen ist mit 31.500 Beschäftigten das größte Daimler-Werk. Theodorus Teklu sagte klar und deutlich: „Unsere Zukunft liegt nicht auf dem Schlachtfeld. Wir wollen keinen Krieg! Wir wollen Frieden… Wir wollen keine Rückkehr zur Wehrpflicht und keine immer steigenden Ausgaben für Rüstung. Statt Milliarden in Waffen zu investieren, sollte dieses Geld in Bildung, soziale Sicherheit und in die Ausbildung junger Menschen im Land fließen.“ Er bezog auch eine klare Position zu fehlenden Ausbildungsplätzen, der Ausbildungsvergütung, die nicht zu einem selbständigen Leben reicht, sowie der Wohnungsnot, die insbesondere junge Auszubildende trifft.

Auch der IGM OJA Salzgitter Peine stellte sich klar gegen eine Rüstungsproduktion: „Wir wollen keine Waffen bauen. Wir wollen nicht morgens zur Arbeit gehen und wissen, dass das, was wir herstellen, irgendwann Menschen tötet. Wir wollen nicht beteiligt sein“. „Übernahmegarantie statt Wehrpflicht“, „Krankenhäuser statt Kasernen“ und „Ausbildungsplätze statt Kriegseinsätze“ konnte man auf etlichen Schildern auf vielen Demos lesen, wodurch sich die Beschäftigten klar gegen einen Umbau der zivilen Produktion in militärische stellten und dies zudem mit der Krise des Kapitals, der Aufrüstung und den Angriffen auf den Lebensstandard und Sozialleistungen verbanden.

Auch der Stellenabbau und Verlagerungen ins Ausland, sowie die fehlende Übernahmegarantie für Azubis war Thema. Dabei führt gerade die Jobunsicherheit unter vielen Kollegen zu einem Gefühl von Ohnmacht und Zweifeln, ob sie dagegen überhaupt etwas machen können. Die Azubis von MAN berichteten von ihrem Kampf in Salzgitter Peine: „Wir haben uns nicht kleingemacht, wir sind aufgestanden, die Beschäftigten, der Betriebsrat, die IG Metall!“ und sendeten damit eine klare Botschaft: Wenn die Kollegen zusammenstehen und sich nicht spalten und verunsichern lassen, dann können auch erfolgreiche Kämpfe um Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen geführt werden.

Stark gewachsen sind auch „revolutionäre“ oder „antimilitaristische“ Blöcke auf den DGB-Demos und „revolutionäre“ Demos, bei denen vor allen Jugendliche teilnahmen. Trotz Kritik an dem teilweise sektiererischen Auftreten zeigt das, dass es ein wachsenden Potential und Dynamik in der Jugend für antikapitalistische und sozialistische Positionen gibt. Ein gutes Zeichen ist, dass sich meist an DGB-Demos beteiligt wird. Aber trotzdem gibt es ein sehr eingeengtes und verzerrtes Verständnis von Klassenkampf. Aber es zeigt auch, dass deutlich mehr Menschen, die am 1. Mai auf die Straße gehen, revolutionäre oder mindestens kämpferisch antikapitalistische Antworten wollen und keine Sozialpartnerschaft.

Insgesamt zeigte der diesjährige 1.Mai, dass die aktiven Kolleginnen und Kollegen trotz aller Sozialpartnerschaftsparolen wissen, was ihre Probleme sind und wer dafür verantwortlich ist. Ihre Bereitschaft zum Kampf ist spürbar gestiegen. Vor allem die Jugend geht dabei voran, zahlenmäßig aber auch mit kämpferischen Positionen.

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