Zu Beginn war es noch die russische Seite, die von einer zweiwöchigen Spezialoperation sprach. So waren es im weiteren Verlauf oftmals die olivgrünen Prediger der feministischen Außenpolitik, die im Rahmen der Ampelregierung davon sprachen, dass die Gerechtigkeit in Form des totalen ukrainischen Sieges kommen müsse. Nun sind viereinhalb Jahre vergangen und der Krieg geht weiter. Obwohl Hunderttausende Opfer zu beklagen- und Abermilliarden in den Konflikt geflossen sind, hat sich die Frontline nur wenig verschoben. Doch jüngst, mit der Vereinbarung zwischen den USA und Iran zum Beilegen der Kampfhandlungen, scheint der Westen wieder geeint gegen Russland zu stehen und vorgehen zu wollen.
Am Donnerstag, den 18.06 spricht die Berichterstattung vom bisweilen größten Angriff der Ukraine auf Russland. Bei einem Drohnenangriff auf Moskau wurde eine Ölraffinerie, die für 30% der Ölversorgung von Moskau verantwortlich war, getroffen, während gleichzeitig der ASEAN Gipfel dort abgehalten wurde. Zeitlich wohl keinesfalls zufällig, denn so konnte man auf internationaler Bühne ein Exempel statuieren.
Ebenfalls in derselben Woche wurden die Sanktionen der EU gegen Russland erstmals für die nächsten 12 Monate verabschiedet. Vorher waren es immer nur sechs. Dies ist ein direktes Resultat aus der Abwahl von Orban in Ungarn und dessen Ersetzung durch einen Pro-EU-Rechten. Aufgrund der veränderten Abstimmverhältnisse in den Gremien konnte dieser Beschluss so gefasst werden.
Beim ebenfalls in dieser Woche stattgefundenen G7-Gipfel begrüßte der französische Präsident die anderen Staatschefs mit Liedern aus ihren Ländern, mit denen er die Beziehung zu diesen charakterisierte. Neben Friedrich Merz, der ganz im Namen der deutsch-französischen Freundschaft als “Lieblingsmensch” begrüßt wurde, musste sich Trump mit “Love is a long road” zufriedengeben. Dieser Wink mit dem Zaunpfahl war stellvertretend für die Position, die die europäischen Machthaber auf dem Gipfel eingenommen hatten. Das Experiment der eigenständigen und unabhängig von der EU handelnden USA ist mit dem Krieg im Iran gescheitert. Der geschlossene Vertrag zur Beendigung konnte weder einen Regime Change, noch andere Ziele herbeiführen. Die Stellung der USA – geschwächt; ein Ausdruck der sich verstärkenden Konkurrenzsituation zwischen den großen Mächten und Angleichung ihrer Position zur Einflussnahme.
Die jüngsten Rohstoffvereinbarungen zwischen Ukraine und Washington sind nicht in Erfüllung gegangen. Die ausländischen Direktinvestitionen in die Ukraine sind im letzten Kalenderjahr laut dem Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche um ein Viertel zurückgegangen. Dies ist ein Spiegel der ungewissen Lage bezüglich der Entwicklung des Krieges hinsichtlich eines definitiven Siegers. Die festgefahrene Lage und der Rohstoffreichtum der Ukraine, welches sich auf die östlichen Gebiete fokussiert, führt dazu, dass erst die Tendenz eines ukrainische Sieges für konkrete Anreize von ausländischen Direktinvestitionen führt. Doch nun mit der neuen internationalen Situation und der ukrainischen Drohnenkriegsführung scheinen einige Weichen gestellt, um einen Teilerfolg für die westlichen Profiteure der Kiewer Marionettenregierung zu gewährleisten.
Besonders die Rolle Polens ist dabei hervorzuheben. Als direkter Nachbarstaat und aufsteigende Wirtschaftsmacht in der EU hat sich der Staat in den letzten Jahren zu einem der größten Kapitalexporteure in die Ukraine manövriert. Allein 2025 stieg das Volumen dieser um fast zwei Drittel an. Ende Juni 2026 fand in Danzig die “Ukraine Recovery Conference“ statt, die schon seit 2017 zur Koordinierung von Kapitalexport in die Ukraine abgehalten wird. Der Administrator des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen fast es wie folgend zusammen: “Beim Wiederaufbau geht es nicht darum, was verloren wurde, sondern darum, die Zukunft zu finanzieren: [..] eine wettbewerbsorientierte Wirtschaft…” Auch Merz war vor Ort und betonte, fest an der Seite der Ukraine zu stehen. Dies gilt sowohl militärisch durch die weitere Lieferung von Luftabwehrsystemen, aber auch immer mehr wirtschatlich. Denn wie Merz auf dem Kongress bemerkete, befindet sich die Ukraine an einem neuen Punkt der Stärke. Übersetzt bedeutet das; nun ist die Zeit für Investitionen gekommen. Der European Flagship Fonds für den Wiederaufbau der Ukraine hat ein Finanzpaket von bis zu 220 Millionen Euro geschaffen. Dieses Geld ist dafür vorgesehen, um private Investitionen in die Ukraine zu fördern und den Unternehmen einen besseren Zugriff zu verschaffen. Und schon im November steht die “Rebuild Ukraine”-Tagung an.




