Bayern ist ohnehin mit Rüstungsbetrieben gut ausgestattet und besitzt auch – ohne die Wehrpflicht – eine ganze Reihe von militärischen Einrichtungen der Bundeswehr und auch die US-Army ist am Standort Grafenwöhr schon seit Ende des II. Weltkriegs präsent.
Der Rüstungskonzern Kraus-Maffei-Wegmann (Panzer u.a.) hat seinen Stammsitz in München-Allach, in Oberpfaffenhofen bei München befindet sich das das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR), das für den Krieg im Weltraum immer wichtiger wird. Dazu gibt es im Raum München eine Reihe so genannter Startups, die sich der Forschung „intelligenter“ Waffentechnik verschrieben haben. In Schrobenhausen bei Ingolstadt sitzt die Firma MBDA, die Kampfdrohnen und Raketen für das Luftabwehrsystem Patriot herstellt. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 18.000 Mitarbeiter. In Donauwörth schließlich Airbus Helicopters, das die Bundeswehr mit dem Kampf-Hubschrauber „Tiger“ beliefert. Neuerdings kommt noch die Firma Grob Aircraft in Tussenhausen bei Mindelheim (Unterallgäu) hinzu, die in die Forschung für unbemannte Flugobjekte eingestiegen ist.
Kasernen bzw. Einrichtungen der Bundeswehr gibt es im südlichen Schwaben derzeit in Lagerlechfeld, Kaufbeuren, Kempten, Sonthofen und Füssen. Aber es sollen noch mehr werden. In Kempten gibt es bereits ein „Karriereberatungsbüro der Bundeswehr“. Das hat seinen festen Sitz in der Kempter Innenstadt. Aber es wirkt auch nach außen: Auf der „Kempter Festwoche“, einem jährlich wiederkehrenden Event mit Bierzelt, Verkaufsständen und Werbung örtlicher Betriebe, trat dieses Jahr auch das Karrierebüro in Erscheinung… und zwar massiv. Mitten in der belebten Festwochen–Zone waren etliche Militärfahrzeuge aufgefahren. Ein ganzer Infobus lieferte Werbematerial. Soldaten in Tarnfleck verteilten Infos und boten „Beratung“ an. Das Ganze wurde vorab schon in einer Sonderbeilage der Allgäuer Zeitung euphorisch publik gemacht.
Dieser massive Auftritt der Bundeswehr steht aber nicht allein da. Unter der Rubrik „Das besondere Thema“ wird in der Allgäuer Zeitung ein öffentliches Gelöbnis zur Feier des 70-jährigen Bestehens der „Schule ABC-Abwehr und gesetzliche Schutzaufgaben der Bundeswehr“ in Sonthofen bejubelt. Neben einem relativ knappen Text, in dem u.a. erwähnt wird, dass zwei Generäle der Bundeswehr, Innenminister Dobrindt und der Wehrbeauftragte Otte anwesend waren – ebenfalls ein Soldat aus Togo (nebenher erfahren wir, dass zwischen Togo und der BuWe ein Austausch und militärische Ausbildung im Rahmen der „europäischen Sicherheitsinitiative für den Golf von Guinea“ besteht)
Vielsagend war besonders auch das Bildmaterial: ein Bild zeigt eine Zehnjährige bei einer Seilübung. Reservisten stehen in Tarnfleck daneben und klatschen. Ein 14-jähriger Junge „unterhält“ sich mit Soldaten vom Karrierebüro im Tarnfleck, Gebirgsmusikkorps, Schützenpanzer, Dobrindt und Otte mit militärischem Gruß, feierliches Gelöbnis….
Das größte und teuerste Projekt der Bundeswehr in dieser Gegend ist die Stationierung des Flugabwehrsystems Arrow 3 aus israelisch-US-amerikanischer Fertigung in Lagerlechfeld und bei Kaufbeuren. Obwohl von örtlichen Parteifunktionären (CSU, SPD und Freie Wähler) als Konjunkturmotor bejubelt, gibt es zunehmend Kritik von verschiedenen Seiten. Thematisiert und natürlich abgelehnt wurde die Stationierung schon auf dem Ostermarsch in Kaufbeuren. Zuerst hatte die Bundeswehr und auch die Regierung die Menschen lange im Unklaren gelassen, wo jetzt was stationiert werden soll. Nun ist klar: die Raketen sollen nach Lagerlechfeld kommen, das zugehörige Radar in eine Gemeinde bei Kaufbeuren. Dort gibt es Widerstand. Der Bürgermeister der Gemeinde übte starke Kritik am Vorgehen der Behörden. Er sei spät über das Vorhaben informiert worden und dann noch gegenüber der Bürgerschaft zum Schweigen verpflichtet gewesen („Verschlusssache“). Nun fordert er zumindest Schadenersatz für den zu erwartenden Schaden.
(Rodung von Wald, Grundwasser usw.) Darüber hinaus befindet sich in diesem Waldstück ein Naherholungsgebiet.
Der Widerstand gegen die Militarisierung auch in dieser Region muss noch stärker werden.




