48-Stunden-Streik in den Häfen

In der aktuellen Tarifrunde in den Seehäfen geht es um einiges: Die Kollegen fordern die Erhöhung der Stundenlöhne um 8,2 Prozent, mindestens aber um 2,50 € pro Stunde, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. In der dritten Verhandlungsrunde hatte der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) eine Entgeltsteigerung von 5,1 Prozent rückwirkend zum 1. August 2026 bei einer Laufzeit von 18 Monaten angeboten. Zusätzlich sollte es eine Mindesterhöhung von 1,20 € Euro pro Stunde geben. Dieses Angebot, das sich nur minimal vom letzten unterschied, war Anlass für die Beschäftigten, in den 48-Stunden-Warnstreik zu treten. Besonders die lange Laufzeit ist für die Kollegen in Zeiten von Inflation und unsicherer Weltlage nicht hinnehmbar. Bereits beim ersten 24-Stunden-Streik im August standen die Kräne in den Häfen still.
 
In dieser Tarifrunde wird das erste Mal in den Seehäfen mit Tarifbotschaftern gearbeitet, die den Kollegen jedes Angebot des ZDS vorlegen und darüber abstimmen, ob dieses angenommen werden sollte. Von den knapp 12.000 Beschäftigten hatten innerhalb einer Woche über 6.000 über das letzte Angebot abgestimmt. Das Ergebnis: Über 80 % lehnen ab! Mit dem System der verbindlichen Rückkopplung, mit dem die Kollegen direkt über den Verlauf der Tarifrunde bestimmen, konnten die Beteiligung gesteigert, Kollegen wieder dazugewonnen und Standorte einbezogen werden, die sich zuvor nicht beteiligt hatten.
 
In Hamburg sind auch die Auszubildenden der Hamburger Hafen und Logistik Aktiengesellschaft (HHLA), der HCCR Hamburger Container- und Chassis-Reparatur-Gesellschaft mbH sowie der Fischmarkt Hamburg-Altona GmbH zurzeit im Tarifkampf. Sie fordern die unbefristete Übernahme aller Azubis, die Erhöhung des Ausbildungsentgeltes um monatlich 200 Euro, sowie eine Erhöhung des Mietkostenzuschusses um 50 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Am Freitag beteiligten sie sich, wie schon beim ersten Streik, auch an der Streikdemo und betonten, für sie sei klar: Die Tarifrunden werden gemeinsam begangen, es ist ein gemeinsamer Kampf! Trotz starkem Regen kamen am Freitag über 1.000 Kollegen zur Streikdemo zusammen – hafenweit streikbereit! Auch Beschäftigte der HHLA Technik und HCCR traten aus Solidarität in den Streik. Erneut standen die Kräne im ganzen Hafen still, sodass einige Arbeitgeber zu Leiharbeit griffen, um den Schaden abzuwenden. Die Streikenden statteten dem betroffenen Betrieb spontan einen Besuch ab, in dem sie zeigten, was sie von dieser Aktion halten.

Streikdemo in Bremerhaven

Als Antwort auf das läppische Angebot gingen auch in Bremerhaven über 1000 Streikende auf die Straße, um für ihre Forderungen einzustehen. Die Demo zog mit viel Lärm und kämpferisch durch die Bermerhavener Innenstadt. In Redebeiträgen solidarisierten sich Mitarbeiter von Mercedes mit dem Hafenarbeitern und sprachen über die massiven Stellenkürzungen in der Automobilindustrie.

Solidarität wurde von beiden Streikdemos auch an die anderen Hafenstädte gesendet, welche ebenso die Seehäfen bestreiken. Besonders war hierbei der Streik der Hafenarbeiter in Rotterdam welche aktuell gegen die arbeiterschädlichen Rentenreformen der niederländischen Regierung streiken.

Bisher sind die Arbeitgeber, außerhalb der Angebote, nicht mit neuen Verhandlungsterminen auf die Beschäftigten zugekommen. Gut möglich, dass diese 48 Stunden diese Verweigerungshaltung aufweichen. Wenn nicht, dann scheint die Kampfeslust der Kollegen noch nicht aufgebraucht.    

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