„Superhelden“ in Uniform

Soldaten in der Kita, Waffenschau auf dem Schulhof oder Klassenausflug in die Kaserne… Das klingt wie ein Fiebertraum, ist aber Realität!

Bundeswehrbesuche an Schulen sind heutzutage Gang und Gebe. 2025 wurden bundesweit mehr als 5.500 Besuche durchgeführt. Bis Ende März 2026 waren es bereits über 2.000. Die Bundeswehr macht selbst vor Kleinkindern keinen Halt. Eine Kita im niederbayerischen Leibfling veröffentlichte nach einem Bundeswehrbesuch 2024: „Heute hatten unsere Kindergartenkinder Besuch von der Bundeswehr Mitterharthausen. Da sie sich derzeit mit dem Thema: ‚In welchen Berufen arbeiten eigentlich Superhelden?‘ beschäftigen, durften die Retter von der Bundeswehr natürlich nicht fehlen! Sie kamen mit zwei Einsatzfahrzeugen und nahmen sich viel Zeit den Kindern zu erklären, wie diese ausgestattet sind und welche Aufgaben mit ihnen erledigt werden können.“ Mit der Propaganda kann wohl nicht früh genug gestartet werden. Dabei verändert sich nicht nur die Anzahl der Besuche, sondern auch die Mittel, welche zur Begeisterung junger Menschen eingesetzt werden. Es gibt Berichte über Waffenschauen auf Schulhöfen sowie den Einsatz von Schießsimulatoren bei Klassenausflügen in der Kaserne.
Die Präsenz der Bundeswehr an Schulen ist kein neues Phänomen, doch die Militarisierung der Schulen flammte mit dem Beginn des Ukraine-Krieges 2022 neu auf. Die damalige Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) forderte eine verstärkte Präsenz von Jugendoffizieren an den Schulen, um Schülern den Krieg und die Sicherheitspolitik des deutschen Staates näherzubringen. 2023 forderte Merz anschließend einen ungehinderten Zugang zu Schulen für die Bundeswehr sowie das Verbot von Zivilklauseln an den Hochschulen. Im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung wurde schließlich festgelegt: „Wir verankern unsere Bundeswehr noch stärker im öffentlichen Leben und setzen uns für die Stärkung der Rolle der Jugendoffiziere ein, die an den Schulen einen wichtigen Bildungsauftrag erfüllen.“
Aber nicht nur bundesweit ist die Rolle und Mitwirkung der Bundeswehr vertraglich verankert, auch mehrere Landesregierungen haben Kooperationsabkommen mit der Bundeswehr. Seit 2008 gelten Kooperationsverträge zwischen der Bundeswehr und den Ländern Nordrhein-Westfalen, Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Immer mehr Bundesländer schließen solche Verträge ab, wie nun auch Hamburg, wo eine vertraglich geregelte Zusammenarbeit der Schulen mit der Bundeswehr ab nächstem Schuljahr gilt. Durch diese Verträge ergeben sich für die Bundeswehr zahlreiche Möglichkeiten im Bereich der politischen Bildung in den Schulen (z.B. beim Politikunterricht), sowie für Lehrkräfte und Referendare, Einfluss zu nehmen. In Bayern wurde durch den Ministerpräsident Markus Söder (CSU) das „Gesetz zur Förderung der Bundeswehr in Bayern“ verabschiedet. Dieses legt eine Verstärkung der Kooperation von Schulen und Bundeswehr fest, verbietet faktisch die Zivilklausel an Hochschulen und legt im Fall ‚des Interesses der nationalen Sicherheit‘ sogar eine Kooperationspflicht fest. Zuletzt wurde diese Kooperationspflicht bzw. das damit einhergehende Verbot von Zivilklauseln vom Verfassungsgericht Bayern gekippt, da dies gegen das in der Bayerischen Verfassung verankerte Rechtsstaatsprinzip und die Wissenschaftsfreiheit verstößt. Die Richter urteilten, dass es sich um einen offensichtlichen und schwerwiegenden Verstoß gegen die Kompetenzordnung des Grundgesetzes handelt.

Offene Propaganda

Auf diesem Weg sichert sich die Bundeswehr den Zugang zu tausenden von Schulen, während jegliche kritische Stimme mit dem vorgeschobenen Vorwand der Neutralität klein gehalten wird. Jugendoffiziere sollen „ihre Expertise zu geo- und sicherheitspolitischen Fragen“ vermitteln und können die NATO-Positionen zu etlichen Konflikten der Welt direkt in die Klassenzimmern tragen. Es werden ganze Unterrichtsstunden abgehalten, in denen von den Interessen Deutschlands gesprochen wird, als wären es die der deutschen Arbeiterklasse und nicht die das deutschen Kapitals. Es werden Feindbilder geschaffen und aufrechterhalten, um die kriegerischen Handlungen des deutschen Staates durch die Darstellung des gefährlichen Auslands, sei es Russland oder der Nahe-Osten, legitimiert. Um beim Überzeugen nachzuhelfen wird die Bundewehr obendrauf als ‚attraktiver‘ Arbeitgeber präsentiert – mit finanziellen Anreizen, dem Versprechen nach einem abenteuerlichen Leben und Kameradschaft. Ein Narrativ das viel Anklang findet in Zeiten, in denen die meisten Jugendlichen kaum eine Perspektive nach der Schule erwartet.
Die unerlässliche ideologische Umwerbung der Jugend zeigt Wirkung: Laut der Bundeswehr ist die Anzahl der eingegangenen Bewerbungen im Jahr 2025 deutlich gestiegen. Innerhalb eines Jahres gab es einen Anstieg an Neurekruten um 20 % und erreichte damit den höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt. Auch die Anzahl der Minderjährigen steigt stetig an. Mittlerweile ist jeder zehnte Soldat unter 18 Jahre alt.

Für Schulen ohne Bundeswehr!

Doch sowohl aus der Schülerschaft und als auch unter den Lehrkräften regt sich Protest dagegen. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), als Vertretung auch für Lehrkräfte, positioniert sich unter anderem gegen den zunehmenden Einfluss der Bundeswehr in der inhaltlichen Gestaltung des Unterrichts. Anja Besinger-Stolze aus dem GEW-Vorstand stellt klar: „Schule ist kein Ort der Nachwuchsrekrutierung für die Bundeswehr“. Der Landesschülerrat Brandenburg stellt sich entschieden gegen eine Verstärkung der Bundeswehrpräsenz an Schulen und betont: „Unsere Schulen sind Orte des Lernens und der offenen Meinungsbildung, nicht der Militärwerbung oder der Propagierung militärischer Perspektiven“. Auch die Landesschülervertretungen von Rheinland-Pfalz und Berlin positionieren sich öffentlich gegen die Präsenz von Bundeswehr an Schulen und organisieren unterschiedliche Protestaktionen, wie Die-Ins (Protestform, bei der sich Teilnehmende an öffentlichen Orten wie Tote auf den Boden legen) oder Kundgebungen. Nicht zuletzt gingen tausende Schüler bereits zum dritten Mal auf die Straße und bestreikten die Schule, um klar zu sagen: Wir führen eure Kriege nicht! Trotz der intensiven Propaganda erkennen viele Schüler, dass die Kriege nicht in ihrem Interesse geführt werden, dass sie nichts daran zu gewinnen haben! Bei dem Kampf gegen die Wehrpflicht bleibt es nicht, auch die Forderung nach bundeswehrfreien Schulen wird immer prominenter. So können Schülervertretungen vermehrt genutzt werden, um diese Forderung laut zu machen.

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