Jetzt beginnen Auseinandersetzung und die Forderungsdiskussion

Aktivierende Befragung zur Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie 2026 beginnt.

Seit dem 1. Juni läuft in der tarifgebundenen Metall- und Elektroindustrie die sogenannte aktivierende Beschäftigtenbefragung der IG Metall. Bis zum 28. August können die Kolleginnen und Kollegen ihre Einschätzungen und Forderungen zur kommenden Tarifrunde abgeben. Die Ergebnisse sollen anschließend in die Forderungsfindung der Tarifkommissionen einfließen. Im September sollen die Tarifkommissionen ihre Forderungsbeschlüsse fassen.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Beschäftigte sich an der Befragung beteiligen, desto repräsentativer wird das Bild der Interessen und Erwartungen der Belegschaften. Deshalb ist eine hohe Beteiligung wichtig.

Gleichzeitig zeigt die Befragung auch, unter welchen Vorzeichen die Tarifrunde 2026 beginnt. Seit Monaten bestimmen Meldungen über Stellenabbau, Verlagerungen und Sparprogramme die Schlagzeilen. Viele Unternehmen und ihre Verbände nutzen dies, um die Erwartungen der Beschäftigten zu dämpfen und Lohnforderungen von vornherein als „unrealistisch“ darzustellen.

Diese Stimmung spiegelt sich teilweise auch in der Befragung wider. So wird zunächst nach der wirtschaftlichen Situation des Betriebs gefragt. Auch die Frage nach der Entgeltforderung bleibt auffällig unkonkret. Statt über konkrete Prozentzahlen oder reale Verbesserungen zu diskutieren, können die Beschäftigten lediglich zwischen einer „kräftigen“, „moderaten“, „kleinen“ oder gar keiner Entgeltforderung wählen. Ein genauer Blick auf die Befragung zeigt jedoch auch, unter welchen Vorzeichen die Tarifrunde beginnt.

Die Diskussionen in den Tarifkommissionen haben gestartet

Diese Art und Weise der Diskussionen spiegelten sich auch in der letzten gemeinsamen Tarifkommissionssitzung aller sieben Bezirke wider. In den Inputs des geschäftsführenden Vorstands durch die Tarifvorständin Nadine Bugoslawski als auch durch die Vorsitzende Christiane Benner wurde die besondere Situation aufgemacht, dass die Branche wirtschaftlich in sehr unterschiedlichen Situationen stecke. Sowohl die Schlussfolgerung von den beiden, als auch die Folgerungen des Chefökonomen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturpolitik der Hans Böckler Stiftung, Sebastian Dullien, waren dass eine derartige differenzierte Situation eine differenzierte Forderung brauche. Dullien machte es fest an den Margen der verschiedenen Bereiche in der Metall- und Elektroindustrie, die sich in den letzten Jahren weiter auseinanderentwickeln.

Doch was ist gemeint, wenn in diesen Diskussionen von Differenzierung die Rede ist?

Eine Differenzierungsregelung in Tarifverträgen sieht vor, dass unter bestimmten Bedingungen Ausnahmen von der tarifvertraglichen Leistung gemacht werden. In der Metall- und Elektroindustrie ist das der Fall beim T-Zug, welche eine jährliche Sonderzahlung ist. Hier haben sich Gesamtmetall und IG Metall darauf geeinigt, dass wenn Betriebe unter eine Nettoumsatzrendite von 2,3 Prozent fallen, können sie die Sonderzahlung fallen lassen. Gleichzeitig bieten Verträge wie das Pforzheimer Abkommen den Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten, für eine gewisse Zeit von tarifvertraglichen Abmachungen abzuweichen. Auch Bugowslawski erwähnte das Abkommen und warf die Frage auf, ob das Abkommen wirklich die notwenigen Instrumente in die Hand gibt.

Doch das Ziel sei heute eine Differenzierung nach oben zu erreichen. Heißt Unternehmen, denen es wirtschaftlich besonders gut geht, sollen die Beschäftigten daran beteiligen. Das erzeugt weitere Löcher in der Fläche des Tarifvertrags. Dabei bieten die bisherigen Regelungen den Unternehmen alle Möglichkeiten den Tarifvertrag zu unterschreiten. Also stellt sich die Frage: Warum weiter eine Differenzierung vornehmen? Die wirtschaftliche Situation der Unternehmen dürfen nicht zum Maßstab für die Erwartungen der Beschäftigten werden. Tarifpolitik muss von den Interessen derjenigen ausgehen, die den Reichtum in den Betrieben tagtäglich erarbeiten. Die Frage darf nicht lauten, was die Arbeitgeber bereit sind zu geben, sondern was die Beschäftigten brauchen und gemeinsam durchsetzen können

Die Diskussionen über die Richtung der Tarifforderung wurde mit der letzten Tarifkommissionssitzung offiziell eröffnet. Jetzt wird es darauf ankommen, diese Diskussionen stark in den Betrieben zu führen und den Druck aufzubauen. Die Befragung war ein erster Schritt, um ein Stimmungsbild abzufragen, aber ist für eine Forderungsdiskussion noch sehr begrenzt. Im September soll die Forderung dann in den Tarifkommissionen beschlossen werden. Gleichzeitig muss sich, wer bessere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und sichere Arbeitsplätze will, in der IG Metall engagieren und bereit sein, nach Ende der Friedenspflicht am 31. Oktober an Warnstreiks und weiteren Arbeitskampfmaßnahmen teilzunehmen.

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