Artikel von Aydin Cubikcu aus der EVRENSEL
Denn ihrer Ansicht nach ist die Kriegsführung eine Kunstfertigkeit, die Wissen, Finesse und Kreativität erfordert. Die wichtigsten Werkzeuge dieser „Kunst“ sind nicht Stift oder Pinsel, sondern Feuer, Eisen, in unserer Zeit mit speziellen Programmen ausgestattete Computer und Menschenleben. Das Hauptthema dieser „Kunst“ ist natürlich der Tod. Ihre Haupthelden sind Menschen, die töten und sterben, sowie Maschinen, die verwüsten und vernichten.
Bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörten zu den Haupthelden aller Kriege neben den Menschen auch die Pferde, die die Soldaten „blitzschnell“ auf den Feind trugen, die Maultiere, die die Artilleriewagen zogen, sowie Hunde und manchmal auch Esel, die als lebende Sprengsätze eingesetzt wurden. Heute gibt es sie nicht mehr … Einige Bilder und Zeichen aus der klassischen Epoche der Kriegskunst haben in der Moderne die Bühne verlassen!
Nicht nur sie sind verschwunden; an die Stelle der „künstlerischen Feldherren”, die ihre Strategien und Taktiken auf Artilleriefeuer, Kavallerieeinheiten und Bajonettinfanterie aufbauten, sind nun Softwareentwickler und Techniker getreten. Politik- und Sozialwissenschaftler, die Zielanalysen durchführen, Physiker, die die Flugdynamik von Raketen kennen, sowie Aerodynamiker, Ballistik-Analysten, Raketenlenkungs- und -steuerungsingenieure und verschiedene Experten, die Verteidigungssysteme analysieren, sind am Werk – und die meisten von ihnen sind keine Soldaten! Natürlich wurden auch die Planschtische, die den unterhaltsamsten Teil der Arbeit ausmachten, ins Museum verbannt; an ihre Stelle sind riesige digitale Bildschirme getreten. Die „künstlerischen Stabsoffiziere“ beobachten nun mit Sorge die KI-Programme, die ein Auge auf ihre Medaillen und ihre mit Goldborsten verzierten Schulterklappen geworfen haben.
Kommen wir nun zu den Malern, die den Krieg zum Thema ihrer Kunst machen … Die Sichtweise der Künstler auf den Krieg lässt sich in drei Formen erkennen.
Historisch gesehen liegt der Schwerpunkt bei denen, die das Geschehen darstellen. Da sie meist im Auftrag malen, ist es nicht möglich, ihre eigenen Gedanken zu ergründen. Die Erwartungen der Adligen, der Hofangehörigen und der Kommandanten, die darauf warten, dass ihre Heldentaten verewigt werden, geben dem Bild Form und Inhalt.
An zweiter Stelle stehen die Kriegsbefürworter. Das sind jene, die den Pinsel schwingen, um ihre eigenen Armeen, Befehlshaber und Könige in den Himmel zu loben und den Feind als feige und machtlos darzustellen.
In der dritten Gruppe befinden sich die kriegskritischen Künstler. Im Allgemeinen handelt es sich um Enthüllungs- und warnende Gemälde, die die gnadenlose Grausamkeit des Krieges, die wahllose oder sogar vorsätzliche Tötung von Zivilisten, Frauen und Kindern sowie die Brandschatzung und Plünderung von Städten und Dörfern schildern. Pyramiden aus Schädeln, verwesende Leichen, abgetrennte Arme und Beine, Soldaten, die voller Angst und Sorge in den Schützengräben ausharren – all das sind Bilder, die uns unverblümt vor Augen führen, wie schrecklich und unmenschlich der Krieg ist…
Heute weiß jeder, dass das Wesen und die Ursache von Kriegen der monopolistische Kapitalismus und der Imperialismus sind. Auf dem letzten NATO-Gipfel wurde der Beschluss gefasst: „Wir werden unsere Bemühungen fortsetzen, um mithilfe der NATO-Partnerschaften die Zusammenarbeit und die Stärke der Rüstungsindustrie zu maximieren“. Zudem wurde bekannt gegeben, dass ein Budget von 50 Milliarden Dollar bereitgestellt wird. Für jedes Unternehmen, das Kriegsgerät und Munition herstellt, ist dies eine gute Nachricht, und unabhängig davon, ob ein tatsächlicher Krieg herrscht oder nicht, wird dieses Geld in die Kassen der Kapitalisten fließen. Der Krieg ist also neben all seinem Schrecken und seiner Grausamkeit auch eine außerordentliche Gewinnquelle. Wenn wir einen groben Blick auf die Geschichte der bildenden Kunst werfen, gibt es eine Person, die dies ganz klar zum Ausdruck bringt.
Brügels Antwort auf die Frage, was die Quelle und das Wesen des Krieges sei, die er vor 500 Jahren gab, hat bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Unter seinem Stich mit dem Titel „Der Kampf der Sparbüchsen und Geldkisten“ schrieb er eigenhändig in lateinischer Sprache Folgendes:
„Frisch gewagt, ihr Kisten, Truhen und Sparbüchsen! In diesem Kampf geht es einzig und allein um Geld und Gut. Manch einer sagt zwar schön: ‚Es geschieht aus einem anderen Grund‘, doch die Wahrheit weicht von dieser Sache nicht ab. Deshalb tragen sie die Waffen in der Hand, um die anderen in den Ruin zu treiben. Jetzt wollen sie uns das ganze Geld aus der Tasche ziehen; aber gäbe es nichts zu rauben, wäre es bald vorbei mit dem Krieg!“




