Geplant ist die Stationierung der Green-Pine-Radaranlage (Block C) am Standort Kaufbeuren, voraussichtlich ab 2028, während die zugehörigen Raketenbatterien in der Nähe, unter anderem in Lagerlechfeld, installiert werden. Insgesamt sind drei Standorte in Deutschland geplant. Im Mai 2025 hat der Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, die ersten Teile des Projekts Arrow 3 am Produktionsstandort in Israel übernommen. Schon das ist eine Provokation: Besuch eines höchsten Bundeswehrangehörigen im Apartheid-Staat! Die israelischen Hersteller können sich die Hände reiben: mit 6,5 – 6,9 Milliarden Euro ist das der größte Rüstungsauftrag in der Geschichte Israels. Der erste von drei deutschen Standorten (Fliegerhorst Holzdorf in Brandenburg) ist bereits in Betrieb. Eine Bestätigung für den Standort Kaufbeuren/Lagerlechfeld durch Luftwaffe und „Verteidigungs-“ Ministerium steht noch aus – aus „Geheimhaltungsgründen“. Die drei Bürgermeister der betroffenen Gemeinden nahe Lagerlechfeld kritisieren die Geheimnistuerei. Der Raketenstandort bringe zudem nur einen geringen Beschäftigungseffekt für die Region: 100 bis 150 zusätzliche Beschäftigte.
Womit wird die Anschaffung der Arrow 3 – Raketen begründet?
Lesen wir, was die Bundeswehr selbst dazu veröffentlicht hat: „Mit dem hochmodernen Raketenabwehrsystem Arrow Weapon System for Germany (AWS-G) aus Israel baut Deutschland derzeit seine Fähigkeit zur territorialen Flugkörperabwehr auf. Die Beschaffung des Systems unterstreicht die dringende Notwendigkeit und den Willen, die Verteidigungsfähigkeit der Bundesrepublik angesichts wachsender Bedrohungen, insbesondere durch weitreichende ballistische Raketen, zu stärken. Warum braucht die Bundeswehr ein System wie Arrow und wie fügt es sich in Deutschlands und Europas Verteidigung ein? Die geopolitische Realität verlangt von der Luftwaffe eine beispiellose Modernisierung und die Schließung kritischer Fähigkeitslücken. Mit der Beschaffung von Arrow macht die Luftwaffe einen entscheidenden Schritt zur Stärkung der Luftverteidigung Deutschlands und Europas. Dieses System ist darauf ausgelegt, anfliegende ballistische Mittelstreckenraketen (MRBM) in sehr großer Höhe – weit über 100 Kilometern und damit außerhalb der Erdatmosphäre – abzufangen und zu zerstören.
Arrow nutzt die sogenannte Hit-to-Kill-Technologie, bei der der Abfangflugkörper (Interceptor) das Ziel direkt trifft und zerstört, bevor der feindliche Sprengkopf in den Zielraum eintreten kann. Diese Zerstörung am Rande des Weltraums ist essenziell, um die Gefahr durch radioaktive oder chemische Sprengköpfe sowie Trümmer über besiedelten Gebieten zu minimieren. Die nationale Beschaffung aus dem Sondervermögen Bundeswehr ist ein klares Signal an die Partner und erfüllt eine Kernforderung der Zeitenwende: die Gewährleistung der Sicherheit in allen Dimensionen. Das System soll die oberste Ebene eines mehrstufigen Schutzschildes bilden, ergänzt durch die Systeme Patriot und IRIS-T SLM, und ist ein zentraler Pfeiler des Schutzes für Deutschland und seiner Alliierten.“
Natürlich, wie könnte es anders sein: Begründet wird die Stationierung der Arrow 3 – Raketen mit der „Gewährleistung der Sicherheit in allen Dimensionen“ gegen die „russischen Bedrohung“: Der Inspekteur der Luftwaffe Ingo Gerhartz sprach in dieser Hinsicht von einer zu schließenden Fähigkeitslücke der deutschen Luftverteidigung. Auf Wikipedia heißt es jedoch auch: „Die Beschaffungsentscheidung für das genannte Einsatzspektrum vor dem Hintergrund einer potenziellen russischen Bedrohung wird dabei teilweise von Wissenschaftlern und Sicherheitsexperten infrage gestellt.“
Ein wichtiger Kritikpunkt sind die hohen Kosten, aber auch, dass die derzeit von der russischen Armee benutzten Raketen mit diesem System, das nur Ziele außerhalb einer Entfernung von 100 km bekämpfen kann, gar nicht abgewehrt werden können. Die Antwort auf die Frage nach der konkreten Bedrohungslage, die der Beschaffung von Arrow 3 zugrunde liegt, hat die Bundesregierung auf maximal 30 Jahre als Verschlusssache (VS-NfD) eingestuft.
Tatsache ist jedenfalls: die Einrichtung von Raketenabwehr-Stellungen erhöht gerade die Gefahr, von Raketen beschossen zu werden, um diese auszuschalten. Das konnte man beim jetzigen Krieg USA-Israel gegen den Iran sehen. In der von der Arrow-3-Stationierung betroffenen Region Allgäu-Mittelschwaben macht sich Unruhe breit. Auf der Ostermarsch-Kundgebung und -Demonstration wurde es zum Thema auf Transparenten und in Reden. Ein Vertreter der Friedensorganisation BIFA erklärte gegenüber der örtlichen Presse: „Es gab Zeiten, da hätte Kaufbeuren ein lohnendes Beispiel für Rüstungskonversion werden können – passé“.
Es gibt natürlich auch Befürworter des Raketenstandortes Kaufbeuren und Lagerlechfeld – die Vertreter der etablierten Parteien. „Die politische Urheberschaft, Kaufbeuren als Standort für Arrow 3 ins Gespräch gebracht zu haben, beansprucht indes der örtliche Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl von den Freien Wählern. Er ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender seiner Partei und gilt als Militär-affin. So amtiert er als Vize-Präsident des Bayerischen Soldatenbundes. Nach seinen Angaben hat er im März 2024 Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) vorgeschlagen, Kaufbeuren für Arrow 3 vorzusehen. Wenige Monate zuvor war der Kauf des Systems in die Wege geleitet worden. Laut Pohl spricht in diesem Zusammenhang nicht nur die vorhandene Infrastruktur für den Fliegerhorst. „Die Bundeswehr ist in Kaufbeuren hochwillkommen“, sagt er.“
Wir sind da ganz anderer Meinung.
Keine Arrow 3 Raketenstellung in Kaufbeuren/Lagerlechfeld und anderswo!




