Kürzungen bei Schulbegleitungen gehen an die Substanz

Schulbegleitungen sind schon heute das, was viele Schulen überhaupt noch am Laufen hält.

In Hamburg werden die Kürzungen ab dem nächsten Schuljahr mit voller Wucht an den Schulen einschlagen. Doch die betroffenen Schulbegleitungen sind das, was viele Schulen noch am Laufen hält.

In Hamburg werden die Kürzungen ab dem nächsten Schuljahr mit voller Wucht an den Schulen einschlagen. Doch die betroffenen Schulbegleitungen sind das, was viele Schulen noch am Laufen hält.Schulbegleitungen unterstützen Kinder und Jugendliche, die aufgrund einer (Lern-) Behinderung Hilfe benötigen, um am Unterricht teilnehmen zu können. Sie begleiten die Schüler:innen bei alltäglichen Aufgaben und unterstützen sie bei der Bewältigung des Unterrichts. Nun soll die Zahl der bewilligten Stunden deutlich reduziert werden. Das bedeutet zum einen, dass künftig strenger darüber entschieden wird, wer überhaupt Anspruch auf eine Schulbegleitung hat. Zum anderen werden selbst bei bereits bewilligten Schulbegleitungen Stunden gekürzt. Hinzu kommt, dass ausgebildete Fachkräfte nur noch in Ausnahmenfällen bewilligt werden. Stattdessen sollen viele Stellen mit FSJlern besetzt werden, die häufig selbst gerade erst die Schule verlassen haben. Doch dabei bleibt es nicht: FSJler sollen zentral in Kombinationsmaßnahmen eingesetzt werden. Das bedeutet, dass sie nicht mehr einzelne Schüler:innen begleiten, sondern gleich mehrere gleichzeitig betreuen sollen. Besonders kritisch wird dies für Kinder und Jugendliche mit den Förderbedarfen Lernen, Sprache und emotional-soziale Entwicklung. Für sie soll eine Schulbegleitung erst dann bewilligt werden, wenn über den Zeitraum eines ganzen Jahres nachgewiesen wurde, dass die Unterstützung durch die Schule allein nicht ausreicht.

Die Hamburger Bildungssenatorin Ksenija Bekeris (SPD) behauptete noch am 1. Juli in der Bürgerschaft, hierbei handele es sich nicht um Kürzungen, sondern um ein „Neudenken“. Die steigende Zahl bewilligter Schulbegleitungen in den vergangenen zehn Jahren zeige, dass das Bewilligungsverfahren zu großzügig gewesen sei. Doch die Realität sieht anders aus: zahlreiche Eltern, Schulen und Träger berichten bereits jetzt von gekürzten Stunden. Begründet werden diese Änderungen mit der gestiegenen Zahl bewilligter Schulbegleitungen und den damit verbundenen höheren Kosten. Laut der Schulbehörde gab es im Schuljahr 2014/2015 rund 1.500 Schulbegleitungen, die Kosten von 6.75 Millionen verursachten. Im Schuljahr 2025/2026 haben sich diese Zahlen mehr als verdoppelt. In diesem Schuljahr wurden rund 4.000 Schulbegleitungen bewilligt, bei Kosten von 42,14 Millionen Euro.

Es ist eine Frechheit, den steigenden Bedarf damit zu erklären, das Bewilligungsverfahren habe zu viel Spielraum gelassen. Als wären Schulbegleitungen nicht längst das, was die meisten Schulen überhaupt noch irgendwie am Laufen hält. Wer Einblick in den Schulalltag hat, weiß, dass viele Schulbegleitungen weit mehr leisten als ihre eigentliche Aufgabe. Sie übernehmen Vertretungsstunden, betreuen Schüler:innen eins zu eins, begleiten Pausen und bieten Nachmittagsangebote an. Sie fangen auf, was das kaputtgesparte Bildungssystem längst nicht mehr leisten kann. In einem Schulsystem, in dem jeder Cent umgedreht wird und in dem selbst Lehrkräfte kaum noch hinterherkommen, sind Schulbegleitungen unverzichtbar geworden.  

Der steigende Bedarf kommt zudem nicht aus dem Nichts. Immer mehr Kinder und Jugendliche leben unter Bedingungen, die ihnen die Teilhabe am Unterricht erschweren. Wenn Eltern aufgrund Arbeitsbelastung kaum noch Zeit für ihre Kinder haben, Schüler:innen neben der Schule Verantwortung für ihre Geschwister übernehmen müssen, Deutsch nicht ihre Erstsprache ist oder sie als Geflüchtete traumatische Erfahrungen gemacht haben, entstehen Förderbedarfe. Das sind Ergebnisse der Politik der letzten Jahre und nun sollen diejenigen, die ohnehin schon am stärksten darunter leiden, wieder einmal einstecken.

Die GEW, die Schüler:innenkammer Hamburg, der Elternrat Hamburg und die Vereine für Menschen mit Behinderung fordern die Rücknahme der Kürzungspläne. Zudem ist eine Petition mit bereits über 20.000 Unterschriften im Umlauf. Am 1. Juli fanden sich unter dem Motto „Hände weg von Schulbegleitungen“ zudem rund 1.000 Teilnehmende am Jungfernstieg in Hamburg zusammen. Zwei Tage später versammelten sich rund 4.000 Menschen bei einer Kundgebung des DGB und protestierten gegen den „sozialen Kahlschlag“. Wir müssen weiterhin für eine gutes Schulsystem kämpfen, dass allen ein Zugang zu Bildung gewährleistet. Nein zu den Kürzungen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert