Was geschieht in einem Krieg mit den Soldaten?

Zum heutigen Veteranentag.

Paul von Hindenburg, oberster Kriegsherr im 2. Weltkrieg, sagte: „Der Krieg bekommt mir wie eine Badekur.“ Das stimmt – für ihn, seine Generäle, den Kaiser, die Rüstungsindustrie wie Thyssen und Krupp. Für diese Herrschaften war der Krieg eine Wohltat und ein Quell von Profit und Extraprofit. Das stimmte ebenso im 2. Weltkrieg. Weit hinter der Front kann man tolle nationale Reden schwingen.

Das erleben wir auch heute wieder. In Berlin im Bundestag oder bei Regierungssitzungen gibt man sich gerne „kriegstüchtig“. Doch kein einziger dieser „Helden“ wird je im Ernstfall an die Front müssen und sein Leben riskieren. Sie werden in atomsicheren Bunkern sitzen und über die Medien heroische Ansprachen halten. Doch sie lassen andere kämpfen bis zum „Sieg“.

Mit dem Veteranentag wollen Regierung und Bundeswehr wieder das Heldenlied singen und die Menschen moralisch „kriegstüchtig“ machen. Außerdem wollen sie ihre Fürsorge für die ehemaligen Soldaten öffentlich demonstrieren.

Realität an der Front

Von Badekur kann da nicht die Rede sein. Aufgrund der Einsätze in Afghanistan und im Kosovo verzeichnete die Bundeswehr seit 1992 alleine über 4.000 traumatisierte Soldaten. Darin sind die vielen nicht enthalten, die um ihre Anerkennung als traumatisiert kämpfen müssen. Denn es ist bei der Bundeswehr schwer, diese Anerkennung und die damit verbundenen Leistungen zu erhalten.

Ebenfalls seit 1992 zählt die Bundeswehr deutlich über 100 Tote. 22 davon starben durch Suizid, weil sie den Wahnsinn des Krieges nicht mehr aushielten. Und heutige Kriege sind, entgegen einiger Behauptungen, durch modernere Technologie wie Drohnen keineswegs weniger brutal geworden: Laut einem Spiegel-Bericht vom 29.1.26 sind im Ukraine-Krieg rund 1,2 Millionen Soldaten der russischen Armee verwundet oder gestorben. Bei der Ukraine betragen die Verluste bis zu 600.000, darunter bis zu 140.000 Tote. Genaue Zahlen geben beide Kriegsparteien aus guten Gründen nicht an. Das würde die Propaganda stören.

Überleben, aber wie?

Viele überleben den Krieg mit schwersten Behinderungen. Der Krieg hat den meist jungen und sehr jungen Menschen an der Front sowohl zeitlich als auch psychisch einen großen Teil ihres Lebens geraubt.

Der Spiegel berichtete am 15.4.18 über den Wehrmachtssoldaten Bernhard Schulz. Er schrieb über die ihn quälenden Erinnerungen: „Ich bin, wenn ich das sagen darf, aus dem Massengrab auferstanden. Ich bin krank… Sehen Sie, die ganze Sache wäre ohne Bedeutung, wenn ich tot wäre. Aber ich bin nicht tot. Ich bin halb tot… Bruchstücke des Krepierens einer Menschenhülle, heulende Granaten und knisternde Grade Frost, Läuse, Mücken, Wanzen, Marschbefehle, Angriffsziele, Feuerpläne…“

BR24 berichtete in einem Beitrag am 21.8.24 über einen in Afghanistan und Kosovo traumatisierten Bundeswehrsoldaten, der anonym bleiben wollte. Er war an vorderster Front als Kampfmittelbeseitiger eingesetzt, hochriskant. „Nach einem Einsatz im Jahr 2012 zog er sich zurück, sonderte sich ab von seiner Familie, trank, war zunehmend gereizt, litt unter Schlafstörungen. Lange vertraute er niemandem an, dass ihn Bilder und Erinnerungen heimsuchten.“ Mit dem Abzug aus Afghanistan berichtet er: „Gefühlt zwanzig Jahre Dienstzeit kamen wie eine Riesenwelle über mich… Die reale Welt hörte auf zu existierten.“ Doch während beim Veteranentag der Bundeswehr die „Helden“ gefeiert und geehrt werden, sieht es bei den Entschädigungen anders aus. Da feilscht die Bundeswehr gern mal um jeden Euro. Der anonyme Soldat berichtet, dass er bis heute um seine Entschädigung kämpft.

Selbst wenn man also in gutem Glauben an die hohen Werte für dieses System in den Krieg zieht, muss man nicht nur bitter mit Krankheit und Trauma leben, sondern auch mit einem Staat, der gern die Opfer nimmt, aber ungern dafür zahlt. Man ist Kanonenfutter für die Rüstungsindustrie und das Kapital – das versucht der im Sinne der „Kriegstüchtigkeit“ eingeführte Veteranentag zu verschleiern.

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