Vier Landarbeiter in Italien lebendig verbrannt

Anfang Juni 2026 wurden vier Landarbeiter in einem Minivan an einer Tankstelle in der italienischen Region Kalabrien eingesperrt und bei lebendigem Leibe verbrannt.

Ein fünfter Landarbeiter schaffte es knapp, sich aus dem brennenden Fahrzeug zu befreien und dem Tode zu entgehen. Er schilderte, dass die Gruppe nach einem Arbeitstag auf dem Heimweg war und es zuvor Streit über ausstehende Löhne gegeben habe. Denn die Caporali, illegale Arbeitsvermittler, speisten sie statt der 45 Euro Tageslohn mit Ausreden ab. Damit nicht genug, wollten sie noch jeweils 5 Euro für den Fahrtweg abziehen.

Kameraaufzeichnungen zeigen, wie die Caporali die Zapfpistole ins Fahrzeug halten, das Fahrzeug anzünden und die Türen zuhalten. Am Morgen vor der Tat hatten die Caporali laut dem Überlebenden bereits mit einer Pistole gedroht: „Mund halten, oder ihr werdet umgebracht.“ Mit dem Vierfachmord sollte ein Exempel statuiert werden, so der Überlebende. „Sie wollten den Landarbeitern hier klarmachen, dass Befehle nicht diskutiert werden.“

Gewerkschaften in Aufruhr

Dieser brutale Vierfachmord hat in Italien für Aufruhr gesorgt, da er erneut die sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft sichtbar machte. 3 000 Menschen folgten einem Aufruf des größten italienischen Gewerkschaftsbundes CGIL, sich im nahegelegenen Amendolara zu versammeln. „Es muss nach dieser Tragödie, nach diesem Mord, ein Ruck durch die Gesellschaft gehen“, sagte Maurizio Landini, Generalsekretär der CGIL.

Auch Enrico Somaglia, Generalsekretär des Europäischen Landarbeiterdachverbands EFFAT, dessen Mitglied auch die CGIL ist, unterstützte die Demonstration und erklärte: „Dieses System ist weder eine Seltenheit noch eine Abweichung von der Norm. Es hat klare Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Wir sind es leid, zu sehen, wie diejenigen, die das Essen auf unsere Tische bringen, auf einen Zustand der Verwundbarkeit und Erpressung reduziert werden.“

Doch das Problem ist keineswegs ein rein italienisches Problem, wie Somaglia hervorhebt. „Ähnliche Muster der Ausbeutung und illegalen Arbeitsvermittlung sind in mehreren europäischen Ländern zu finden, von Spanien bis Griechenland, einschließlich Deutschland und Schweden. Darüber hinaus beschränkt sich dieses Phänomen nicht allein auf die Landwirtschaft.“

Mafia mordet, Staat schaut weg

Hinter diesem System von sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen stehen vielschichtige Interessen. Bei den Ermordeten handelte es sich um drei Afghanen und einen Pakistaner, der älteste war 29 Jahre alt, der jüngste 19 Jahre. Die Caporali sind in der Regel selbst migrantisch, haben es in der Hierarchie etwas nach oben geschafft. Sie stehen in enger Verbindung zur Mafia, die einen Großteil des Geldes, die sie zur Bereitstellung der Arbeitskraft von Bauern bekommen, durch geringe Löhne, aber auch durch Berechnung von Wegegeld oder Mieten, beschlagnahmen. So mussten die Ermordeten sich zu zehnt eine ärmliche Zwei-Zimmer-Wohnung teilen, für monatlich 500 Euro Miete pro Person. Die Mafia kommt damit nur durch, weil genug migrantische Menschen zu prekären rechtlichen und ökonomischen Bedingungen verurteilt werden. „Die Europäische Union kriminalisiert leider diejenigen, die auf der Suche nach einem besseren Leben in diesen Teil der Welt kommen“, so Somaglia.

So ist es auch nur folgerichtig, dass in Italien seit 2016 das Caporalato-System gesetzlich verboten ist, jedoch kaum Kontrollen durchgeführt werden. „Der Regierung standen europäische Gelder zur Verfügung, um sicherzustellen, dass diese Menschen nicht erpresst werden, aber sie wurden nicht ausgegeben“, erklärt Landini die bewusste Inkaufnahme dieser Situation durch den Staat. 230 000 Arbeiter, jeder vierte Landarbeiter, haben nach Schätzungen der CGIL keinen Vertrag.

Für das Kapital geht es um viel Geld

Denn die sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft spielen für das nationale wie internationale Kapital eine wichtige Rolle. Die Handelskonzerne, die nicht selten Liebesbekundungen in ihre PR-Kampagnen integrieren, zwingen den Bauern eiskalt Dumpingpreise auf, um einerseits Wettbewerbsvorteile zu erreichen und andererseits größtmögliche Profitmargen für sich selbst zu ermöglichen. Die Bauern wiederum versuchen, sich das, was ihnen die Konzerne nehmen, bei den Landarbeitern wiederzuholen.

Doch dass dies immer wieder in der Landwirtschaft passiert, darf nicht als Zufall betrachtet werden. Marx legte in Lohn, Preis und Profit dar, dass „der Wert der Arbeitskraft durch den Wert der Lebensmittel, die zur Produktion, Entwicklung, Erhaltung und Verewigung der Arbeitskraft erheischt sind, bestimmt ist.“ So hat das Kapital aller Länder ein starkes Interesse, die Kosten für die Lebensmittelproduktion auf das absolute Minimum zu drücken. Dafür ist das Kapital bereit, mit Mafiabanden zusammenzuarbeiten und ihren Terrormethoden in Kauf zu nehmen.

Dies sollte stets im Gedächtnis behalten werden, wenn wieder Debatten über zunehmende Kriminalität losgetreten und migrantische Menschen zum Sündenbock erklärt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert