Am 28.06 fand in der Hachenberg Kaserne bei Erndtebrück (Kreis Siegen-Wittgenstein) ein Tag der offenen Tür statt. Schon im Voraus waren die 5000 zur Verfügung stehenden Reservierungsplätze für Gäste ausgebucht. Die Lokalpresse machte im Vorfeld schon mächtig Werbung für diesen Tag. In unkritischen und verharmlosenden Artikeln wurde diese Veranstaltung quasi als ein Event mit dem Charakter einer Popveranstaltung für Jung und Alt angekündigt.
Die Siegener Zeitung warb sogar mit einer Beilage mit Werbeanzeigen von lokalen Firmen, welche Rüstungsgüter herstellen, etwa die Kirchener Firma Jungenthal Wehrtechnik, die „Technik-Begeisterte“ junge Leute als Arbeitskräfte anheuern will.
Ein Interview mit dem Standortkommandeur der Luftwaffe Jens Dobrindt „Ich wünsche mir vor allem Frieden“ darf da natürlich auch nicht fehlen. Die Bedrohungslage wäre deutlich komplexer geworden und man werde mit vielen Vorurteilen konfrontiert. „Heute weiß keiner mehr, gegen wen wir eigentlich kämpfen“ Von den geopolitischen und wirtschaftlichen Verteilungskämpfen, von der NATO-Osterweiterung bis an Russlands Grenze von der Waffenlieferung an das Zelensky Regime, kein Wort. All das scheint keiner Erwähnung wert. Stattdessen Hüpfburg für die Kleinsten, Essen aus der Gulaschkanone, Computer-Kriegsspielchen und als Highlight zur Besichtigung ein „Tiger“ des Kampfhubschrauberregiments „Kurhessen“ aus Fritzlar.
Nichtsdestotrotz führte eine kleine Gruppe aus lokalen Engagierten und dem Marburger Bündnis „Nein zum Krieg!“ an der Zufahrt eine Protestaktion durch. Ein großes Transparent „Kein Werben fürs Sterben“, Protestschilder und viele Friedensfahnen dienten als guter Blickfang für die teils mit Shuttlebussen oder PKW vorbeifahrenden Besucher.
Der Luftwaffenstandort Erndtebrück spielt in der kleinen Gemeinde im hessisch-westfälischen Grenzgebiet schon seit der Nachkriegszeit eine wichtige Rolle. Zuvor war der Ort als lokaler Eisenbahnknotenpunkt in Verbindung mit der Herstellung und dem Transport der V2 Rakete im zweiten Weltkrieg Bombenangriffen ausgesetzt. Aber auch zu dieser Zeit gab es aufgrund der exponierten Lage schon eine Flugwache auf dem Gebiet der heutigen Kaserne. In der Zeit des „Kalten Krieges“ war der Erndtebrück ab Ende der 1960er Jahr mit der Aufstellung der Luftraumüberwachungsanlage ein wichtiger Stützpunkt des westdeutschen Imperialismus im Konkreten und der NATO im Allgemeinen. Spätestens seit dem Krieg in der Ukraine gerät der Militärstandort wieder zunehmend in den Fokus. Die Anzahl der stationierten Soldaten soll sich in den kommenden Jahren mit der Aufstellung des neuen Luftwaffensicherungsbataillon (L) im Jahr 2025 erhöhen. Die veränderte Sicherheitslage führe dazu, dass ein privater Sicherheitsdienst nicht mehr ausreichend sei. Nachdem die Kaserne ab den 1990er Jahren weiter aus dem öffentlichen Leben des Orts verschwunden ist und sich vor allem durch die technische Rolle kennzeichnete, veränderte sich das Bild in den letzten Jahren. Uniformierte Soldaten erreichen den Ort per Zug und sind häufiger anzutreffen, was sich mit der Aufstellung des neuen Bataillons aus Reservisten in den nächsten Jahren weiter verstärken wird.
Die enge Verbindung der kleinen Gemeinde mit der Luftwaffe kommt nach einem Antrag der CDU-Fraktion im Gemeinderat seit 2022 auch auf den Ortsschildern zum Ausdruck.
„Wir freuen uns sehr darüber, dass diese gute Idee jetzt endlich umgesetzt werden konnte. Die Gemeinschaft zwischen Gemeinde und Garnison leben wir bereits seit vielen Jahren. Jetzt manifestieren wir das auch auf den Ortsschildern für alle, die neu nach Erndtebrück kommen“, so Menger. Gerade für Soldaten, die zum ersten Mal in die Gemeinde kommen, sei dies ein wertvolles Signal. „Tatsächlich sind wir damit die erste Kommune in NRW, die ein solches Zeichen für die Verbundenheit mit ihrem Bundeswehr-Standort setzt“, machte Bürgermeister Gronau deutlich.
Erndtebrücks neues Ortsschild ist eine NRW-Premiere
Doch trotz dieser Umstände konnten die Demonstranten bei einigen Besuchern Anklang finden, die auf ihrem Weg zum Tag der offenen Tür die Banner passierten. Auch in den ländlichen Regionen, die sich durch starke Perspektivlosigkeit kennzeichnen, ist es umso wichtiger ein Zeichen gegen diese gefährliche Perspektive zu setzen.




