Mitte März beschloss der Vertrauenskörper von ZF Hannover die Erklärung „Unsere Arbeit für das Leben, nicht für den Krieg“ und reiht sich damit in die Beispiele der Beschäftigten bei Ford Köln und Volkswagen ein, die sich deutlich gegen die Kriegstüchtigkeit in den Betrieben aussprechen. Die vollständige Erklärung:
„Unsere Arbeit für das Leben, nicht für den Krieg
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir beobachten mit großer Sorge die aktuelle politische Entwicklung, die verstärkt auf Aufrüstung und eine zunehmende Umstellung der Industrie auf den Verkauf von Rüstungsgütern, Investitionen in kriegswichtige Infrastruktur, o.ä. (Kriegswirtschaft) setzt. Als Beschäftigte bei ZF, einem weltweit führenden Technologiekonzern, sind auch wir direkt von diesen Weichenstellungen betroffen.
Die Vertrauensleute der IG Metall bei Ford in Köln haben am 24. Januar 2026 eine klare Botschaft gesendet: „Nein zur Kriegswirtschaft – Wir geben unsere Kinder nicht für Kriege!“ Wir schließen uns dieser Initiative an und erklären für unseren Standort:
1. Rüstung sichert keine zukunftsfähigen Arbeitsplätze
Wer uns verspricht, dass Rüstungsaufträge unsere Jobs sichern, nutzt unsere Existenzängste in Zeiten der Transformation aus. Doch Rüstungsproduktion ist keine nachhaltige Strategie. Sie ist politisch volatil und entzieht Ressourcen, die wir dringend für die Mobilitätswende, die E-Mobilität und zivile Innovationen benötigen. Am Ende des Tages werden Waffen eingesetzt und zerstören Leben und Lebensgrundlagen gleichermaßen. Unser Know-how gehört in die Entwicklung klimaschonender Antriebe, nicht in Waffensysteme.
2. „Kriegswirtschaft“ bedroht unsere Rechte
Eine Umstellung auf „Kriegswirtschaft“ bedeutet im Ernstfall den „Notstand“. Das heißt konkret:
- Gefahr der Einschränkung des Streikrechts.
- Anordnungen zu extremer Arbeitszeitausdehnung.
- Zwangsverpflichtungen durch das Arbeitssicherstellungsgesetz. Wir lassen nicht zu, dass unsere hart erkämpften Arbeitsrechte unter dem Deckmantel der „Verteidigungsfähigkeit“ ausgehöhlt werden.
3. Gewerkschaftliche Werte bewahren
In § 2 der Satzung der IG Metall bekennen wir uns zu Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung. Als Vertrauenskörper bei ZF stehen wir zu dieser Verantwortung. Wir wollen Produkte schaffen, die Menschen verbinden und schützen, statt sie zu vernichten.
Unsere Forderungen an die Bundesregierung:
- Abkehr vom 5%-NATO-Ziel! Rüstungsausgaben in schwindelerregender Höhe führen nicht zu einer besseren Verteidigungsfähigkeit und gehen zu Lasten aller anderen staatlichen Leistungen
- Investitionen statt Aufrüstung: Wir brauchen Investitionen in Infrastruktur, Bildung, Gesundheit und die sozial-ökologische Transformation!
- Rückkehr zur Diplomatie: Weg von der militärischen Zeitenwende, zurück zu diplomatischen Lösungen.
Unsere Forderungen an die Konzernleitung von ZF:
- Transparenz: Offenlegung aller Pläne zur Ausweitung militärischer Produktion an unseren Standorten.
- Zivile Priorität: Vorrang für Investitionen in zivile Technologien und die Transformation zur E-Mobilität.
- Konversionskonzepte: Entwicklung von Plänen, um bestehende rüstungsnahe Bereiche in zivile Sparten zu überführen, ohne Arbeitsplatzverluste.
Kolleginnen und Kollegen, wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz – aber nicht um jeden Preis. Wir wollen eine Zukunft, in der unsere Arbeit dem Aufbau dient, nicht der Zerstörung.
Unterstützt unsere Resolution! Gemeinsam für Frieden und sichere, zivile Arbeit.“




